Türkei will ehemaligen „Cumhuriyet“-Chefredakteur Can Dündar auf Interpol-Liste setzen

Can Dündar
Foto: PEN-Zentrum Deutschland

Der deutsche PEN ist fassungslos: Die türkische Regierung will den ehemaligen „Cumhuriyet“-Chefredakteur Can Dündar ein weiteres Mal vor Gericht stellen und ihn deshalb mit Hilfe von Interpol international suchen lassen. Zudem ist ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt worden.

2016 war Can Dündar in Zusammenhang mit einem Artikel über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an islamistische Rebellen in Syrien zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft wegen Geheimnisverrats verurteilt worden. Vom Vorwurf der Spionage wurde er damals freigesprochen. Ein Berufungsgericht nahm jedoch Anfang März das Urteil zurück und entschied, dass sich Dündar in einem neuen Verfahren auch wegen Spionage zu verantworten habe.

Can Dündar lebt derzeit im Exil in Deutschland. 2016 ernannte das deutsche PEN-Zentrum ihn und seinen Kollegen Erdem Gül zu PEN-Ehrenmitgliedern und zeichnete sie mit dem Hermann Kesten-Preis aus. Die dem Rechtsstaat, der Freiheit und der Demokratie verpflichteten Staaten haben sich im Zusammenhang mit der angestrebten Auslieferung kritischer Autoren und Journalisten wie Can Dündar auf keinen Fall zu Handlangern des gegenwärtigen türkischen Regimes zu machen!