Seit mehr als einem Vierteljahrhundert sitzt der amerikanische Journalist und Aktivist der Black Panther, Mumia Abu-Jamal, wegen angeblichen Polizistenmordes im Gefängnis. Er ist zum Tode verurteilt worden und erwartet seitdem seine Hinrichtung. Ebenso lange gibt es erhebliche Zweifel an der Objektivität des damaligen Prozesses, an den Ermittlungen zum Tathergang ebenso wie an der Beweiswürdigung im Verfahren. Die Vermutung, Abu-Jamal sei aus politischen und rassistischen Gründen verurteilt worden, ist nie widerlegt worden. Ernste Zweifel über Verfahrensmängel haben das oberste Gericht der Vereinigten Staaten am 10. Januar 2010 veranlaßt, das dritte Bundesberufungsgericht in Philadelphia mit der Prüfung der Vorwürfe zu beauftragen.
Das P.E.N.-Zentrum Deutschland unterstützt mit dem amerikanischen P.E.N., dessen Mitglied Mumia Abu-Jamal ist, sowie mit dem französischen und dem flämischen P.E.N. die Forderung nach einer Wiederaufnahme des Verfahrens. Nur ein neuer Prozeß mit unabhängigen, unbefangenen Richtern kann den Fall klären. Unabhängig davon fordern wir seit Jahren die Freilassung Mumia Abu-Jamals. Mehr als ein Vierteljahrhundert in der Todeszelle sind in jedem Fall unmenschlich. Dieses Strafmaß erzwingt unabhängig von der juristischen Bewertung des Falls einen Akt der Humanität und die Achtung menschlicher Würde.
Der deutsche P.E.N. übermittelt diesen Apell an seine Kollegen in andere Zentren mit der Hoffnung, dass sie sich unseren Bemühungen anschließen. Er fordert das Internationale Writers-in-prison-Komitee auf, sich des Falls erneut anzunehmen und unserem Kollegen Abu-Jamal in die Case-List der bedrohten Autoren aufzunehmen.