Jahrestagung Osnabrück 2010

Resolution zu Afghanistan

Wir, Schriftsteller des P.E.N., die gegenwärtig in Osnabrück zu ihrem Jahreskongreß versammelt sind, haben intensiv über die Situation in Afghanistan und über die jüngsten Äußerungen des Bundespräsidenten diskutiert. Wir wissen uns einig mit der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung: wir fordern die Beendigung des Krieges in Afghanistan. Die militärischen Auseinandersetzungen führen zu immer mehr zivilen und militärischen Opfern; dieser Krieg ist nicht zu gewinnen, und es droht nichts anderes als ein Vietnam am Hindukusch.

Dieser Krieg zerstört die Aussicht auf einen afghanischen Staat, der sich seiner kulturellen Vielfalt gewiß ist und der seinen Willen zum diplomatischen Ausgleich beweisen kann.

Dieser asymmetrische Krieg der NATO gegen die Taliban und gegen viele nur vermutete Gegner zerstört die Mittel, ihn zu beenden. Er ruiniert die Vorstellung von Zielen, die nicht militärischen und ökonomischen Interessen folgen. Dieser Krieg erzeugt nichts anderes als Krieg.

Wir fordern von der Bundesregierung ein rasches Ende des militärischen Einsatzes deutscher Truppen, einem überzeugenden Plan für den Aufbau einer afghanischen Gesellschaft, eine Verständigung über die Werte und Moralvorstellungen, die bei Gesprächen mit den Taliban und bei ihrer zu fordernden Beteiligung am gesellschaftlichen Prozeß unabdingbar sind.

Wir bereiten uns selbst eine Niederlage, wenn wir uns weiterhin an diesem Krieg beteiligen; angegriffen werden damit unsere demokratischen Errungenschaften und die Notwendigkeit zur nicht militärischen Konfliktregelung.

Der Friede in Afghanistan ist nach so vielen misslungenen Feldzügen von Okkupanten und nach den Exzessen des religiös verbrämten Fanatismus nicht nur ein fernes Wunschbild. Er ist die wichtigste Vorbedingung für die geographische Erweiterung der Zivilgesellschaft.

Die Friedensstadt Osnabrück souffliert uns eine Lehre: der Friede, der keinen faulen Kompromiss mit der Gewalt darstellt, ist möglich. Hier wurde ein ausweglos erscheinender dreißigjähriger Krieg beendet und Europa eine gemeinsame Perspektive eröffnet. Hier ist die Heimat des Schriftstellers Erich Maria Remarque, der das Grauen des Krieges in – noch immer gültige – Bilder gefasst hat. Gefordert sind Mut und Phantasie auch von Bundestag und Bundesregierung, nachdem militärische Logik so unbezweifelbar in die Irre geführt hat.