Der chinesische Schriftsteller und Künstler Liao Yiwu, der zur lit.Cologne eingeladenen ist, wurde gestern (01.März) auf dem Flughafen seiner Heimatstadt Chengdu unmittelbar vor dem Start aus der Maschine nach Peking geholt, von wo aus er nach Köln weiterfliegen wollte. Nach einem sechsstündigen Verhör durch die Polizei brachte man ihn in seine Wohnung, die er bis auf weiteres nicht verlassen darf. Liao Yiwu, der zuletzt an der Ausreise zur Frankfurter Buchmesse 2009 gehindert wurde, hatte am 9. Februar in einem Offenen Brief Bundeskanzlerin Angela Merkel um politische Unterstützung gebeten. Seit 1989 Liao Yiwus langes Gedicht „Massaker“, das von den blutigen Ereignissen am Tian’anmen-Platz handelt und durch ein Tonband bekannt wurde, gilt der Autor als Verbreiter “konterrevolutionärer Propaganda“. Damals wurde er zu vier Jahren Gefängnis verurteilt und während der Haft wiederholt gefoltert. Auf Deutsch ist 2009 sein Buch „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser. Chinas Geschichte von unten“ (S. Fischer Verlag) erschienen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat die erneute Ausreiseverweigerung für Liao Yiwu kritisiert. Der P.E.N. protestiert aufs Schärfste gegen diesen erneuten Willkürakt der chinesischen Regierung.