Derzeit gibt es wegen Stasiverwicklungen eine intensive Debatte um das Literaturzentrum
Neubrandenburg im Brigitte-Reimann-Haus. Das deutsche P.E.N.-Zentrum
fordert alle Verantwortlichen zur konsequenten Offenlegung und Aufarbeitung
der strittigen Punkte auf. Dies betrifft die Verwicklung der früheren P.E.N.-Einrichtung
in die Kontrolle und Bespitzelung von Autoren, aber auch die IM-Tätigkeit
führender Mitglieder des heutigen Trägervereins.
Einer im Auftrag der Stadt Neubrandenburg erstellten Studie zufolge war das
Literaturzentrum durch seinen Gründungsdirektor und Leiter Tom Crepon
(IM "Klaus Richter")
selbst an der MfS-Überwachung
der unbequemen Autorin Brigitte Reimann beteiligt. Es unterstützte zudem
auf dieser Ebene Aktivitäten des MfS zum
Umgang mit dem Erbe des Schriftstellers Hans Fallada und die Bespitzelung
von Anna Ditzen, der Witwe des Schriftstellers.
Nach Auffassung des P.E.N. widerspricht
es den Grundnormen demokratischer Kultur und dem Selbstverständnis der
Schriftstellerin Brigitte Reimann, wenn ein Literaturhaus, das ihren Namen
trägt und mit öffentlichen Mitteln gefördert wird, diese problematische
Praxis zu vertuschen sucht.
Wilfried F. Schoeller