Alhierd Bacharevič wurde 1975 in Minsk geboren. Er studierte belarussische Philologie und Pädagogik in der Hochschule „Maxim Tank“ und arbeitete anschließend als Lehrer und Journalist.
Gedichte und Erzählungen von Alhierd Bacharevič sind seit 1992 zwar in vielen Zeitschriften und Zeitungen publiziert, aber die allermeisten weißrussischen Zeitungen und Zeitschriften sind staatlich, und Bacharevič durfte darin als unabhängiger Schriftsteller nicht veröffentlichen. Somit bleibt er nur einer begrenzten, nicht regierungsgelenkten Leserschaft vorbehalten. Es ist für Bacharevič ein großer Erfolg, als er mit seinem ersten Buch „Praktyčny dapamožnik pa rujnavanni haradoū“ („Praktisches Hilfswerk zur Zerstörung der Städte“) den einzigen belarussischen unabhängigen Literaturpreis „Hliniany Viales“ als bestes Buch des Jahres 2002 gewinnt.
Sein zweiter Prosaband „Naturalnaja afarboūka“ („Die natürliche Färbung“) ist nach Umfrage der Zeitung „Naša niva“ eines der besten Bücher 2003 in Belarus. Eine unabhängige Internetumfrage nannte ihn in 2006 den besten Schriftsteller seines Landes. 2006 hat Alhierd Bacharevič sein neues Buch „Nijakaj litalci Valancinie H.“ („Keine Gnade für Valentina H.“) herausgegeben. Im Dezember 2007 erschien im Verlag Lohvinau der Roman „Praklatyja hošci stalicy“ („Die verdammten Gäste der Hauptstadt“). Auch seine anderen Bücher erschienen in diesem unabhängigen Verlag. Einige Erzählungen und Gedichte sind ins Deutsche (belarussische-deutsche Anthologien Frontlinie-1, Frontlinie-2 und in den Zeitschriften „Lichtungen“, „Literatur und Kritik“, „Schöngeist“ und „Ostragehege“), Tschechische, Ukrainische, Polnische, Bulgarische, Slowenische übersetzt worden. Bacharevič arbeitete gemeinsam mit dem Goethe-Institut Minsk an der ersten Übersetzung von Hans Magnus Enzensberger ins Belarussische (Anthologie der deutschen Lyrik Im Lichtertanz). Er übersetzte auch moderne deutsche Lyrik, die Märchen der Gebrüder Grimm.
Bacharevič ist Mitglied im oppositionellen Schriftstellerverband seines Heimatlandes. Dieser Verband vereinigt diejenigen Autoren, die eine freie Presse UND eine freie Literatur in ihrem Land durchsetzen wollen. Doch deren Lesungen, Präsentationen und Veranstaltungen wurden vom Staat verboten. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die weißrussischen Schriftsteller von der Regierung in „gehorsam“ und „ungehorsam“ unterteilt werden. Auch Alhierd Bacharevič unterlag der Zensur und Isolation, die in Belarus auf sehr subtile Weise vonstatten geht, denn wie kann ein Autor leben, der seine Bücher nicht auf Lesungen vorstellen darf? Bacharevič sagt von sich selbst: „Ich verfolge meine eigene, originelle, ästhetische Linie in der Literatur. Das ist normal, aber nicht normal ist, daß es in Belarus keine Möglichkeit gibt, so zu arbeiten.“ Die Freiheit zu seiner Arbeit gibt ihm nach einem Aufenthalt bei der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte seit 1. Februar 2007 ein „Writers in Exile“-Stipendium des P.E.N.-Zentrums Deutschland.