Jorge Luis Arzola wurde am 20.8.1966 in Jatibonico, einem kleinen Ort im
Zentrum Kubas, geboren. Im Alter von fünf Jahren zog seine Familie in
ein kleines Dorf im Zentrum der Insel, das Anfang der sechziger Jahre auf
ausdrückliche Anordnung Fidel Castros erbaut worden war. Dort absolvierte
er die Grundschule. Als er dreizehn Jahre alt war, wurde er auf eine der
sogenannten Dorfschulen geschickt, die von der Revolution gefördert
wurden. Die dort auferlegte strenge, ja fast militärische Disziplin
ertrug er nicht - er lehnte sich dagegen auf und brach die Schule ab, bevor
er die Sekundarstufe abgeschlossen hatte. Familiäre Spannungen, insbesondere
mit seinem Vater, der der Kommunistischen Partei angehörte, waren die
Folge.
In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre durchlebte Kuba eine gewisse Lockerung der ideologischen Spannungen. Jorge Luis Arzola begann, auch dank Schriftstellern wie Senel Paz, Eduardo Heras León und Professoren der Universität von La Habana wie Salvador Redonet sowie Lilia Esteban, der Witwe von Alejo Carpentier, an verschiedenen Zusammenkünften junger Schriftsteller und nationalen Workshops teilzunehmen, die später die Förderung von Erzählern, in Kuba bekannt als die Los Novísimos, durchsetzten; dadurch nahmen wieder verbotene Themen Einzug in die kubanische Literatur, und die Autonomie der Kunst hinsichtlich der offiziellen Politik wurde verteidigt. In den neunziger Jahren erlangte Arzolas Generation im kubanischen Gesellschaftskonflikt, insbesondere Dank der Arbeit von Salvador Redonet und anderen kubanischen und ausländischen Professoren, eine gewisse nationale und sogar internationale Anerkennung, vor allem im akademischen Bereich in verschiedenen europäischen, lateinamerikanischen und amerikanischen Zentren.
Arzola lebte in all diesen Jahren in einer Kleinstadt im Inselinneren, immer unter Beobachtung des kubanischen Innenministeriums, das ihn wegen verbotener Äußerungen verfolgte, einmal für zwei Wochen einsperrte. Anfang der neunziger Jahre machte er das Abitur und studierte dann Englisch. Die damals herrschende Wirtschaftkrise in Kuba führte zu Hunger und Armut. Arzola überlebte als Kohlenhändler und Straßenhändler für Modeschmuck. 1997, nach der Heirat mit einer Malerin, baute er eine kleine Künstlerwerkstatt, in der Stücke aus Keramik für den Verkauf in den Touristikzentren gefertigt wurden. Die Insolvenz kam drei Jahre später, als die Regierung die absolute Staatskontrolle wieder auf die Wirtschaft und Steuern ausweitete.
Literarische Anerkennung erhielt Jorge Luis Arzola im Jahr 2000 mit dem ersten iberoamerikanischen Preis Alejo Carpentier für seinen unveröffentlichten Erzählband La banda infinita. Er beschäftigte sich nicht mehr mit den literarischen Stoffen der vorausgehenden Generation und auch nicht mehr mit dem Thema der Revolution. Als Vertreter der Novísimos brach er mit den 70er Jahren, ist thematisch und stilistisch vielgestaltiger, weniger an politischen Tendenzen orientiert. Aber auch hier ist Arzola eine Sonderfigur. Er kommt vom Lande, nicht aus der Hauptstadt Havanna. Und so ist sein Verhältnis zur Natur in seinen Erzählungen viel stärker ausgeprägt.
Jorge Luis Arzola hat zwei Erzählbände publiziert: El pájaro sin cabeza, 1991 und Prisionero en el Círculo del Horizonte, 1994. Seine Texte erschienen in mehreren nationalen und internationalen Anthologien, Zeitungen und Zeitschriften. Seinen ersten Roman Todos los Buitres, el Tigre stellte er bereits in Deutschland fertig.
Jorge Luis Arzola konnte mit seiner Familie im August 2002 nach Deutschland ausreisen und erhielt bis 30.9.2003 ein Stipendium des DAAD. Seit 1.10.2003 ist er Stipendiat des "Writers-in-Exile"-Projektes. Er schreibt zur Zeit an seinem zweiten Roman Los huesos más blancos.
Jorge Luis Arzola ist zum 31.3.2006 aus dem Programm ausgeschieden.