Amir Valle

Mainat Kourbanova Amir Valle wurde 1967 in Guantánamo/Kuba geboren. Er studierte in Santiago de Cuba Journalismus und in La Habana Publizistik. Seitdem ist er als Autor, Literaturkritiker und Journalist tätig. Er wurde mit nationalen und internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem kubanischen Preis "La Llama Doble" für erotische Romane, der ihm 2000 und erneut 2003 verliehen wurde.

Seine Kurzgeschichten und Literaturkritiken erschienen in zahlreichen Anthologien und Zeitschriften, die nicht nur in Kuba, sondern auch in Spanien, Frankreich, Portugal, Italien und den Vereinigten Staaten publiziert wurden. Mehrere Anthologien und Zeitschriften hat Amir Valle selbst herausgegeben, wie u.a. einen Sammelband erotischer Literatur von Frauen im Jahr 2002 ("Té con Limón").

Als Direktor der elektronischen Zeitschrift "Letras en Cuba" und des Magazins "Boletín Internacional de Noticias Literarias" war er tätig, bis diese von den kubanischen Literaturbehörden verboten wurden. Danach arbeitete Amir Valle als Generalkoordinator der "Collecion Cultura Cubana" und als Direktor der Literaturzeitschrift "Cara y Cruz" des Verlags "Plaza Mayor" aus Puerto Rico. Als Mitglied des Redaktionsrates zweier Zeitschriften schrieb er anschließend über Kriminalliteratur ("Fantoches" und "Gansterera"). Redaktionell betreute er den Kulturkalender der Zeitschrift "Contrapunto de América Latina". Amir Valle gründete eine der wichtigsten Literaturbildungsstätten Kubas, das "Centro de Formación Literaria Onelio Jorge Cardoso". Dort unterrichtete er auch selbst.

Der zunehmend internationale Erfolg Amir Valles wurde von der kubanischen Regierung kritisch gesehen, die Arbeit wurde ihm erschwert. In der Folge weigerte sich Amir Valle, dem kulturellen und politischen Programm des Regimes zu gehorchen und pflegte Verbindungen zu der so genannten "kubanischen Dissidentenbewegung".

Ein Verbot seiner Bücher auf der Insel konnte aber nicht verhindern, daß sie in Europa und den Vereinigten Staaten Verbreitung fanden. Die Repressalien gegen Amir Valle erreichten jedoch ein noch größeres Ausmaß, als eine Eilresolution des Kultusministeriums ein generelles Zusammenarbeitsverbot mit ihm aussprach. Seine körperliche Unversehrtheit und die seiner Familie waren nun nicht mehr gewährleistet.

Als ein Studie Valles über Prostitution in Kuba ("Habana Babilonia o Prostitutas en Cuba") – trotz der Ächtung durch Castro – heimlich weitergegeben wurde, verschärften sich die Maßnahmen noch einmal. Die Ausreise war unvermeidbar, als die Veröffentlichung der Studie durch den Planeta-Verlag bekannt wurde. Dank der Hilfe seiner Verleger glückte ihm die Flucht.

Amir Valle kam im März 2006 als Gast des Heinrich Böll Hauses in Langenbroich nach Deutschland. Im August 2006 bekam er vom P.E.N.-Zentrum Deutschland ein "Writers in Exile"-Stipendium.

2006 erschienen in der Edition Köln seine Romane "Die Haut und die Nackten" und "Wenn Cristo Dich entkleidet". Bereits 2005 erschien im selben Verlag der Roman "Die Türen der Nacht". Zur Zeit arbeitet Amir Valle an einem weiteren Roman und der Dokumentation "Habana Babilonia. Prostitution in Kuba. Zeugnisse". Beide Werke werden im Frühjahr 2007 erhältlich sein.

Amir Valle ist zum 1.11.2009 aus dem Programm ausgeschieden.

Logo Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien