Hermann-Kesten-Medaille 2004 an die Initiative „Bunt statt Braun“

Das PEN-Zentrum Deutschland hat in diesem Jahr die mit € 10.200 dotierte Kesten-Medaille der Initiative „Bunt statt Braun“ in Anklam zuerkannt. Die Kesten-Medaille wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst finanziert, das auch in der Jury ist. Die feierliche Verleihung der Hermann-Kesten-Medaille erfolgt in einem Festakt im Karolinensaal des Hessischen Staatsarchivs, Karolinenplatz 3, um 17.00 Uhr.

Die Kommunalwahlen im Frühsommer dieses Jahres und die jüngsten Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg haben deutlich gemacht, wie anfällig große Teile der Bevölkerung, besonders in den neuen Bundesländern, für populistische Parolen von rechtsaußen sind. Der Erfolg der NPD und DVU ist aber nicht nur auf die soziale Verunsicherung der Bevölkerung zurückzuführen, sondern auch auf die Tatsache, dass die Rechtsextremisten mittlerweile in der Gesellschaft Ostdeutschlands fest verankert sind. Rechtsextreme betreiben heute Handwerksbetriebe, die nur Jugendliche als Auszubildende einstellen, die sich zu ihrer Ideologie bekennen, eröffnen Geschäfte und gründen Fremdenverkehrsvereine, lassen sich in Elternbeiräte wählen, melden sich als Schöffen bei Gericht und sponsern lokale Sport- und Kulturvereine.

„Bunt statt braun“ ist eine von jungen Leuten gegründete Initiative gegen den Rechtsextremismus, die seit Jahren in Kleinstädten und Dörfern Mecklenburg-Vorpommerns tätig ist. Der Verein versteht sich nicht als bloße Protestgruppe, vielmehr versucht er durch Aufklärungsarbeit in Familien, Schulen und öffentlichen Einrichtungen Problembewusstsein zu schaffen. Hauptziel ist dabei der Aufbau demokratischer zivilgesellschaftlicher Strukturen im ländlichen Raum, ohne die alle staatlichen Maßnahmen ins Leere laufen und der Kampf gegen den Rechtextremismus erfolglos bleibt.

Das Deutsche PEN-Zentrum ehrt mit der Verleihung den Bürgersinn, die Zivilcourage und die konsequente praktische Arbeit dieser Gruppe.

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