21.06.2007 – PEN – Zur Diskussion

Erinnerungszeichen zur Bücherverbrennung in der europäischen Kulturhauptstadt Essen 2010 schäbig und hinter Jägerzaun versteckt

In Essen wurde vor 75 Jahren, am 21. Juni 1933, auf dem Gerlingplatz von den Essener Nazis eine Bücherverbrennung inszeniert. Außer den Mitgliedern von Nazi-Verbänden wurden Kinder, Schüler und Jugendliche zu dieser Vernichtung „zersetzender“ Literatur kommandiert.

In der Folge dieser demonstrativen Bücherverbrennungen wurden im sog. Deutschen Reich und in den okkupierten Ländern Synagogen, Menschen und Städte verbrannt.

Essen hat als eine der wenigen deutschen Städte, in denen Bücher verbrannt wurden, ein Erinnerungszeichen. Das Erinnerungszeichen auf dem Gerlingplatz ist allerdings hinter einem Jägerzaun versteckt und wirkt leider ziemlich schäbig.

Diese Tafel erweckt nicht gerade den Eindruck „lebendiger Erinnerungskultur“, sie ist in ihrem desolaten Zustand und der zugestellten Umgebung einfach unwürdig. Da wäre keine Tafel fast besser.

Sowohl die Intendanz von Ruhr 2010 als auch den Oberbürgermeister der Stadt Essen habe ich darauf aufmerksam gemacht und einen Vorschlag zu einer angemessenen Neugestaltung unterbreitet.

Die Antworten waren insgesamt negativ und schoben Haushaltslage, „allgemeinen Vandalismus“ sowie „vertikale und horizontale Verknüpfung zu anderen Projekten“ vor.

Dass eine europäische Kulturhauptstadt weder in ihrem Konzept noch in ihrem Etat die Möglichkeit findet, diesen kläglichen Zustand zu beheben, ist kaum verständlich.

Der Verweis des Kulturreferenten Prof. Scheytt auf zu befürchtenden „allgemeinen Vandalismus“ und hohe Folgekosten wirkt wie eine der gängigen Ausreden, wenn man etwas ohnehin schon nicht will. Auch in Essen werden sicher viele öffentliche Baumaßnahmen und Projekte verwirklicht, ohne dass dabei der allgemeine Vandalismus ein Hinderungsgrund wäre.

Wir denken, dass eine öffentliche Diskussion sinnvoll wäre und sicher viele Bürger/innen Essens mit dem desolaten Erinnerungszeichen nicht zufrieden sind.

Gerne stellen wir unseren Vorschlag zur Diskussion und sind für Anregungen und Unterstützung unseres Anliegens dankbar.

Wolfram P. Kastner, Carl Blauhorn
Institut für Kunst und Forschung
80637 München Tel. 089 – 157 32 19

Foto des derzeitigen jämmerlichen Zustands:

BRANDSPUR Essen
Denkzeichen zur Bücherverbrennung am 21. Juni 1933 auf dem Gerlingplatz
Gerlingplatz Essen
Schwarzer Fleck auf dem Residenzplatz

Lichtprojektion – Beleuchtung des Brandflecks
(20 sec) ab Einbruch der Dunkelheit
wird durch Bewegungsmelder eingeschaltet

nach (5 sec) Pause:
Textprojektion (60 sec)
Text:
Brandspur.
Als Auftakt zur Ermordung von Menschen
verbrannten die Essener Nazis am 21. Juni 1933
auf dem Gerlingplatz die Bücher unerwünschter Autoren
wie Bertolt Brecht, Heinrich Heine, Else Lasker-Schüler,
Heinrich Mann, Anna Seghers und Arnold Zweig.

Die Erinnerung daran verpflichtet uns,
ähnliche Verbrechen von Anfang an zu verhindern.

Black Mark.
As a prelude to murdering people
on June 21, 1933 the Nazis of Essen here at
Gerlingplatz burned books of proscribed authors
like Bertolt Brecht, Heinrich Heine, Else Lasker-Schüler,
Heinrich Mann, Anna Seghers und Arnold Zweig.

To commemorate this, means to prevent
similar crimes from taking place now and in future.

Download als PDF

Beginn:
21.06.2007
Veranstaltungsort:
Essen

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.