Hermann-Kesten-Medaille 2007 für die Wochenzeitung „Agos“

Einladung zur Pressekonferenz der Writers in Prison- und Writers in Exile-Komitees am Donnerstag, dem 11. Oktober 2007 von 15:30 bis 16:30 im Pressezentrum Halle 6.2 der Frankfurter Buchmesse

Hermann-Kesten-Medaille 2007 für die Wochenzeitung „Agos“

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir laden Sie herzlich zu unserer diesjährigen Pressekonferenz ein. Der Generalsekretär des PEN, Herr Professor Dr. Wilfried F. Schoeller und Frau Anja zum Hingst, Leiterin Kommunikation, PR und Marketing des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sowie Herr Ernst Wegener, Regierungsdirektor des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst werden Sie begrüßen. Die Vorsitzende des Writers in Prison-Komitees und Vizepräsidentin des deutschen PEN, Frau Katja Behrens, wird Ihnen die neuesten Zahlen Verfolgter anhand aktueller Beispiele erläutern. Maynat Kourbunova aus Tschetschenien wird über die Menschenrechtssituation in ihrem Land sprechen.

Bekanntgegeben wird auch, dass die in Istanbul erscheinende armenisch-türkische Wochenzeitung „Agos“ die Hermann-Kesten-Medaille 2007 erhält, die das PEN-Zentrum Deutschland zusammen mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst verleiht. Verbunden damit ist ein Preisgeld von 10.000 €. Geehrt wird posthum der am 19. Januar dieses Jahres von einem ultranationalistischen Jugendlichen ermordete Journalist Hrant Dink, der der Herausgeber der Zeitung „Agos“ war, für seinen mutigen Kampf um Meinungsfreiheit in der Türkei. Er hat den Armeniern, ihrer Geschichte und Kultur eine publizistische Stimme in der türkischen Öffentlichkeit gegeben; er hat ihre Minderheitenrechte eingefordert, hat den Gedanken der Gleichberechtigung verteidigt und immer wieder auf den historischen Völkermord des Osmanischen Reiches verwiesen.

Hrant Dink gründete „Agos“ 1996 und war Herausgeber, Chefredakteur und Leitartikler dieses Forums, das sich die Wiederbelebung der armenischen Kultur und den Versöhnungsdialog mit allen in der Türkei lebenden Minderheiten zum Ziel setzte. Er mußte sich deshalb in drei Verfahren wegen „Beleidigung des Türkentums“ nach dem berüchtigten Paragraphen 301 vor Gericht verantworten (wie auch der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk), wurde einmal rechtskräftig verurteilt und schon seit langem von türkischen Nationalisten mit dem Tode bedroht.

Nach der Ermordung Dinks hat die Staatsanwaltschaft neue Ermittlungen gegen „Agos“, wiederum wegen „Beleidigung des Türkentums“, eingeleitet; im Mittelpunkt stehen diesmal Beiträge des Kolumnisten Engin Aydin.

Der PEN verbindet mit dieser Ehrung die Aufforderung an die türkischen Behörden, die Hintermänner des politischen Mordes dingfest zu machen und das Plädoyer für die Abschaffung des ominösen Paragraphen 301. Er erzeugt eine gefährliche Verengung türkischer Identität, schließt bestimmte Religionen und Minderheiten aus; er ist mit den europäischen Prinzipien der Meinungsfreiheit unvereinbar und einer Zivilgesellschaft unwürdig.

Die Laudatio auf „Agos“ und Hrant Dink wird Daniel Cohn-Bendit, Abgeordneter der Grünen im Europäischen Parlament, halten. Zu dem Festakt erwartet werden aus der Türkei unter anderen Rakel Dink, die Witwe des ermordeten Publizisten, und sein Sohn Arat Dink.

Mit der Hermann Kesten-Medaille wurden seit dem Jahr 2000 ausgezeichnet: Nenad Popovic, Harold Pinter (2001), Sumaya Farhat-Naser und Gila Svirsky (2002), Anna Politkovskaya (2003), die Initiative „Bunt statt Braun“ (2004), die kongolesische Gruppe „Journaliste en danger“ (2005) und die Schriftstellerin Leonie Ossowski (2006).

Die Verleihung der Hermann Kesten-Medaille an die Zeitschrift „Agos“ findet am 15. November im Karolinensaal des hessischen Staatsarchivs, Karolinenplatz 3, statt. Die Veranstaltung, die um 19.00 Uhr beginnt, ist öffentlich.

Mit Bitte um Veröffentlichung.

Mit freundlichen Grüßen
Ursula Setzer
Geschäftsführerin

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