Offener Brief des PEN Zentrums Deutschland zur Verhaftung und Misshandlung der PEN-Stipendiatin Sihem Bensedrine

Sehr geehrter Herr Botschafter,

die Journalistin und Schriftstellerin Sihem Bensedrine wurde am vergangenen Montag bei ihrer Einreise in Tunis auf dem dortigen Flughafen festgenommen und misshandelt. Zusammen mit ihrem Mann Omar Mestri wurde sie von Mitarbeitern des Geheimdienstes festgehalten, die Festplatten ihrer Laptops wurden kopiert und bei intensiven Leibesvisitationen wurden sie geschlagen und misshandelt. Sihem Bensedrine ist in Menschenrechtsorganisationen aktiv und Chefredakteurin der Online-Zeitung Kalina. Für ihren aktiven Einsatz für die Meinungsfreiheit in Nordafrika wurde sie geehrt und ausgezeichnet – allerdings nicht in Tunesien! Vor vier Wochen erhielt sie den Friedens-Preis der Dänischen Friedensstiftung. Wieder einmal zeigt sich: Wer die Freiheit des Wortes nicht achtet, der achtet auch ein Menschenleben nicht. Sihem Bensedrine hat diese Gewalt gegen sich und ihre Familie auch früher schon in Tunesien erfahren müssen und musste deshalb in der letzten Zeit im Exil leben. In Deutschland war sie in den beiden letzten Jahren Stipendiatin des PEN Zentrums.

Wir protestieren aufs Schärfste gegen diese Verletzung von Menschen, die nichts anderes tun, als sich mit Leib und Leben für die Verwirklichung der Werte einzusetzen, die in der ganzen freiheitlichen Welt am höchsten geachtet werden. Deshalb erwarten wir von Ihnen, sehr geehrter Herr Botschafter, der Sie Ihr Land Tunesien in Deutschland repräsentieren, dass Sie alles Ihnen Mögliche tun, das Ehrenmitglied des PEN Zentrums Deutschland Sihem Bensedrine vor weiterem Unrecht und neuer Gewalt in Ihrem Land zu schützen und dafür sorgen, dass diejenigen bestraft werden, die gegenüber Sihem Bensedrine und Omar Mestri die Menschenrechte missachtet haben.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Johano Strasser (Präsident)
für das PEN Zentrum Deutschland

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