Cardenal-Erklärung

Das PEN-Zentrum Deutschland protestiert gegen die Repressionen, denen der Schriftsteller Ernesto Cardenal in seiner Heimat Nicaragua ausgesetzt ist. Ausgerechnet die sandinistische Regierung unter Daniel Ortega bekämpft mit unlauteren Mitteln und mit üblen Methoden einen ihrer ehemaligen Weggefährten. Ernesto Cardenal, der Lyriker, frühere Priester und einer ihrer renommiertesten Fürsprecher, hatte die Amtsführung, den Lebensstil und die politische Praxis Ortegas offen kritisiert. Er sieht in der Tatsache, dass heute wie in den Zeiten der Diktatur vor 1979 einige wenige Familiencliquen das Land beherrschen, einen Verrat an den Idealen Augusto Cesar Sandinos, für die der bekennende Freiheitstheologe sogar einen Konflikt mit dem Papst und die Suspendierung von seinem geistlichen Amt in Kauf nahm. Mit fadenscheinigen Begründungen ist Cardenal zu einer Geldstrafe verurteilt worden; der Strafvollzug wird nun unter Bruch geltenden Rechts (Verjährung), offensichtlich auf Betreiben Daniel Ortegas, angestrebt. Mit zahlreichen Schriftstellern und Intellektuellen aus aller Welt wendet sich der deutsche PEN gegen diese zynische Praxis. Die Sandinisten, die einst angetreten sind, um die Diktatur Somozas zu beenden und um Menschenrechte in Nicaragua durchzusetzen, verlieren mit ihrem Kampf gegen Ernesto Cardenal jede Glaubwürdigkeit. Die politische Befreiung, für die sie einst gekämpft haben, ist ohne Respekt vor der Opposition und ohne Toleranz nicht möglich. Der Fall des Kritikers Ernesto Cardenal ist der Prüfstein für das demokratische Selbstverständnis der sandinistischen Regierung in Nicaragua.

Für das PEN-Zentrum Deutschland
Wilfried F. Schoeller
Generalsekretär

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