Das PEN-Zentrum Deutschland trauert um Johannes Mario Simmel

Das Trauma des Nationalsozialismus und der zweite Weltkrieg haben ihn geprägt. Die Verzweiflung über die Menschen als „entsetzliche Irrläufer der Evolution“ ist seinen Büchern eingeschrieben. 1947 veröffentlichte er erste Erzählungen, die der 1924 als Kind Hamburger Eltern in Wien geborene Johannes Mario Simmel als 17jähriger verfasst hatte. 1949 erschien sein erster Roman „Mich wundert, dass ich so fröhlich bin“, eine Auseinandersetzung mit dem Krieg und der Verstrickung des Menschen. Als Reporter für Illustrierte und Drehbuchautor in den 50er Jahren hat er die enge Verknüpfung von Wirklichkeit und Fiktion, von dokumentarischer Nähe, Aktualität, literarischer Aufbereitung und Unterhaltsamkeit früh auch für seine Bücher adaptiert, im Bemühen um den Leser auch Kolportageelemente nicht scheuend. Das hat ihm die Kritik immer wieder vorgeworfen, seine Leser aber nicht von der Lektüre abgehalten.

Sein Erfolg begann 1960 mit dem Illustrierten-Fortsetzungsroman und späteren Bestseller „Es muß nicht immer Kaviar sein“ – und setzte sich fort in ebenfalls verfilmten Weltbestsellern wie „Liebe ist nur ein Wort“ (1963), „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ (1970) oder „Niemand ist eine Insel“ (1975), um nur die bekanntesten zu nennen.

Simmel gehörte zu jenen politisch engagierten Autoren, die sich sehr früh und immer wieder mit dem Nationalsozialismus und dem später in Deutschland aufkeimenden Rechtsradikalismus beschäftigt haben. Aber auch andere zeitkritische Stoffe fanden in seine Bücher und bestimmten seine öffentlichen Äußerungen: die Ängste des kalten Krieges, der Drogenhandel, die Risiken der Genforschung, die Umweltverschmutzung, die Gefahren der Atomenergie, nicht zuletzt die mit der Atomenergie verbundene und gewachsene Möglichkeit des Menschen, sich selbst auszurotten. Bei allem Charme und Humor, der Simmel auch eignete, war ihm seine Haltung, sein aufklärerischer Gestus ernst. Sein Vater war Jude, Simmel wusste, warum und wogegen er sich einsetzte. Die PEN-Charta und die darin manifestierte Freiheit des Wortes war ihm deshalb ein hohes Gut, für das er sich vielfach engagierte. Der deutsche PEN hat ihm 1993 für seine besonderen Verdienste um verfolgte Autoren die Hermann Kesten-Medaille verliehen.

Am 1. Januar 2009 starb Johannes Mario Simmel. Mit ihm verlieren wir einen Freund, der lebte, was in Absatz 3 der Charta formuliert ist: „Mitglieder des PEN sollen jederzeit ihren ganzen Einfluß für das gute Einvernehmen und die gegenseitige Achtung der Nationen einsetzen. Sie verpflichten sich, mit äußerster Kraft für die Bekämpfung von Rassen-, Klassen- und Völkerhaß und für das Ideal einer einigen Welt und einer in Frieden lebenden Menschheit zu wirken.“

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Wend Kässens

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