Der deutsche PEN veranstaltet am 22. April einen Kongreß über „Flucht und Vertreibung“ in Görlitz

Wieder hat es Krach zwischen Polen und Deutschen gegeben. Die Heimatvertriebenen, ihre Präsidentin Erika Steinbach und das in Berlin geplante „Zentrum gegen Vertreibungen“ bieten – begründet oder nicht -Zündstoff gegen die Versöhnung zwischen den beiden Ländern. Alte Ängste und Vorurteile werden aufgerufen, der Erinnerungsschmerz wird wach und auch die Generation der Nachgeborenen weiß sich nicht frei davon. Ergibt sich eine Wiederholungsschleife der wechselseitigen Befangenheit, der Nichtverständigung und des haltlosen Streits?
Der deutsche PEN will dem mit Gründen widersprechen. Er widmet sich auf einem eigenen Kongreß dem „Sichtbaren Zeichen“, das es längst schon gibt: dem Gedächtnis, das die Literatur über Flucht und Vertreibung darstellt. In ihr sind die geschichtlichen Ereignisse bewahrt. Der erzwungene Abschied von der Heimat, die existentielle Erfahrung der Flucht, die Erfahrung von Jägern und Gejagten, das Transitdasein, die Notlagen des Unterwegs und die Fremdheit der Neuankömmlinge ergeben einen unverzichtbaren Bestand an Einsichten. Wenige Wochen vor der Jahrestagung des PEN-Zentrums Deutschland, die unter dem Motto „Schreibend Brücken bauen“ vom 14. Mai bis 17. Mai stattfindet, soll in der deutschpolnischen Grenz- und Verbindungsstadt Görlitz/Zgorzelec dieses literarische Erbe besichtigt werden.

Polnische und deutsche Germanisten, Kritiker und Essayisten widmen sich dem brisanten Thema. Am Nachmittag werden unter anderen die polnischen Forscher Marek Zybura und Pawel Zimniak auftreten. Von deutscher Seite steuern Marion Brandt und Carsten Gansel Vorträge bei. Am Abend folgt eine literarische Großveranstaltung. Autoren des PEN lesen aus eigenen Texten und denen ihrer Vorgänger. Der Bogen reicht von Hugo Hartung über Günter Grass bis zu Hans-Ulrich Treichel und Reinhard Jirgl. Die Veranstaltung steht unter Leitung von Wilfried F. Schoeller. Sie findet am 22. April ab 13.00 Uhr in der Synagoge von Görlitz statt.

Für das PEN-Zentrum Deutschland
Wilfried F. Schoeller
Generalsekretär

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