Presseerklärung des deutschen PEN-Zentrums zum 20. Jahrestag des Tiananmen-Massakers

„Als ich die Gefängnismauern hinter mir wähnte, ahnte ich noch nicht, dass es für mich fortan und für alle Zeiten heißen würde „lauf um dein Leben“. Denn seit dem Mai 1989 muss mein Volk um sein Leben laufen“, schrieb der chinesische Schriftsteller Zhou Qing 1993, als er seine Haftstrafe von zwei Jahre und acht Monaten abgesessen hatte und wieder auf freiem Fuß war.
Vor zwanzig Jahren beteiligten sich in Peking auf dem Tiananmen-Platz und in über dreißig weiteren chinesischen Städten Schriftstellerinnen und Schriftsteller aktiv an der Demokratiebewegung, die China erfasst hatte – manche als Vordenker, andere als Vermittler und viele auch einfach als begeisterte Teilnehmer an den Kundgebungen und Demonstrationen. Ihr Engagement für eine pluralistische Gesellschaft mit bürgerlichen Rechten wie Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit wurde blutig niedergeschlagen. Seither steht der Name Tiananmen weltweit als Synonym für totalitäre Gewaltherrschaft kommunistischer Prägung. Wenig später begannen, nicht zuletzt unter dem erschütternden Eindruck der sogenannten „Chinesischen Lösung“, zunächst die Völker Osteuropas und schließlich auch die der damaligen Sowjetunion, mit gewaltlosen Mitteln ihr neues Leben aufzubauen, ein friedliches Leben in Freiheit.

Am Vorabend des 20. Jahrestages des Massakers auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ fordert das deutsche PEN-Zentrum ein Ende der Unterdrückung jener bürgerlichen Freiheiten, die nach den Grundsätzen der Charta für Menschenrechte der Vereinten Nationen allen Menschen gleichermaßen zustehen – auch den Bürgerinnen und Bürgern der Volksrepublik China. Das deutsche PEN-Zentrum protestiert mit aller Entschiedenheit dagegen, dass in China auch heute noch jeder, der es wagt, öffentlich seine Meinung zu äußern oder friedlich nach politischen Reformen zu rufen, massiven Repressalien ausgesetzt ist.

In jüngster Zeit werden gerade Autoren, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das kollektive Gedächtnis an die blutigen Ereignisse von 1989 wach zu halten, verstärkt unter Druck gesetzt. Die Verurteilung des Lyrikers Shi Tao, der in seinen Gedichten an die Toten des Tiananmen-Massakers erinnert, und die Verhaftung des Schriftstellers Liu Xiaobo, der als Mitverfasser der Charta 08 aktiv für politische Reformen eintritt, sind nur zwei Beispiele von vielen, die belegen, dass die Freiheit des Wortes in China bis heute missachtet wird.

Als Zeichen der Solidarität mit allen Menschen in China, die sich für friedliche Reformen einsetzen, wird das deutsche PEN-Zentrum den chinesischen Schriftsteller Zhou Qing in sein Writers-in-Exile-Programm aufnehmen. Darüber hinaus wird sich das deutsche PEN-Zentrum auch im Rahmen der Frankfurter Buchmesse, bei der in diesem Jahr China als Gastland auftritt, auf seiner Pressekonferenz sowie bei mehreren gemeinsam mit anderen Institutionen geplanten Veranstaltungen für verfolgte Autoren und für die Freiheit des Wortes einsetzen. Die genauen Termine sind dem Programm der Frankfurter Buchmesse zu entnehmen und werden auch im Newsletter des deutschen PEN-Zentrums rechtzeitig bekannt gegeben.

Für das PEN-Zentrum Deutschland
Johano Strasser
Präsident

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