PEN-Presseerklärung zum Asylverfahren des kubanischen Schriftstellers Amir Valle

Das deutsche PEN-Zentrum unterhält seit zehn Jahren ein vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziertes Programm zur Förderung politisch verfolgter Schriftsteller und Journalisten, die bei uns Zuflucht gefunden haben. Die normalerweise auf ein Jahr begrenzte Förderung besteht in einem keineswegs luxuriös, aber doch auskömmlich dotierten Stipendium, einer durch den PEN finanzierten Wohnung und der Übernahme der Kosten für die Krankenversicherung und kann auf maximal drei Jahre ausgeweitet werden. Sie soll den Betroffenen die Möglichkeit geben, Atem zu schöpfen zur Ruhe zu kommen und wieder die nötige Energie zum Schreiben zu finden.

Herr und Frau Valle

Im August 2006 konnten wir den kubanischen Autor Amir Valle und seine Familie in dieses Writers-in-Exile-Programm aufnehmen. Valles dreijährige Stipendiatenzeit endete am 31. Juli 2009. Die sehr ernst zu nehmenden Drohungen jedoch, die die Regierung seines Landes gegen ihn ausgesprochen hat, sind und nach wie vor gültig und schließen seine Rückkehr nach Kuba aus. Die meisten unserer Stipendiaten stehen vor dem Problem, dass sie nach Ablauf der Stipendienzeit nicht wieder zurück nach Hause gehen können. So bleibt ihnen nichts weiter übrig, als in Deutschland Asyl zu beantragen. Das hat die Familie Valle im Februar dieses Jahres getan. Auf positiven Bescheid war für Ende Juli zu hoffen, also pünktlich zum Auslaufen des Stipendiums. Das Asyl noch früher zu beantragen, hätte eine unzumutbare Ausdehnung des Wartestands bedeutet, in dem Asylbewerber ihren Pass abgeben müssen und so, ohne Papiere, weder arbeiten noch studieren noch auch nur die Schule besuchen, geschweige denn eine Wohnung mieten dürfen. In dieser Situation ist die Familie Valle nun seit dem Tag der Antragstellung, also schon seit acht Monaten.

Am 24. September 2009 hat der Präsident des deutschen PEN-Zentrums, Johano Strasser, einen Brief an den Bundesinnenminister Schäuble geschrieben, ihm die Härten geschildert, die für die Familie Valle mit der schleppenden Behandlung ihres Antrags verbunden sind, und ihn dringend ersucht, für eine Beschleunigung dieses bereits ungewöhnlich lange schwebenden Asylverfahren zu sorgen. Als aus dem Innenministerium nach zwei Wochen noch keine Antwort vorlag, schrieb Herbert Wiesner, der Generalsekretär des PEN, einen an Eindringlichkeit nichts zu wünschen übrig lassenden Brief an den Bundespräsidenten. Inzwischen erreichte uns eine wenig aussagekräftige Erwiderung aus dem Hause Schäuble. Auf eine Reaktion des Bundespräsidenten warten wir seit bald zwei Wochen. Es geht jedoch für Amir Valle, der nicht als Wirtschaftsflüchtling, sondern als politisch verfolgter Schriftsteller um Asyl gebeten hat, und der für seine Familie sorgen muss, um jeden einzelnen Tag.

Wie die Behörden unseres Landes mit Amir Valle und seiner Familie verfahren, das verstößt gegen jeden gewohnten Umgang mit Gästen, aber auch gegen jede Fürsorgepflicht, die wir gegenüber bedrohten Menschen haben. Die vielen Schriftsteller und Künstler, die im Dritten Reich aus Deutschland fliehen mussten und nur im Asyl überleben konnten, haben das kulturelle Leben ihrer Gastgeberländer enorm bereichert. Gerade uns Deutschen stünde es wohl an, einen heutzutage verfolgten Schriftsteller freundlich zum Bleiben einzuladen, damit er uns seine Frau hier sicher leben und seine Kinder sich zum Besten entwickeln können.

Zur Linderung der ärgsten materiellen Not hat das deutsche PEN-Zentrum die Familie Valle vorübergehend wieder in sein Stipendienprogramm aufgenommen und alle ihm zu Gebote stehenden Möglichkeiten ausgeschöpft, um ein Ende dieser unerträglichen Situation zu verbessern. Nachdem wir vonseiten der Politik keine Unterstützung erfahren haben, halten wir es für angebracht, diesen Fall der Öffentlichkeit bekannt zu machen, und bitten die Vertreter der Presse und aller anderen Medien ausdrücklich um Verbreitung der hier dargelegten Angelegenheit.

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Für das PEN-Zentrum Deutschland
Christa Schuenke
Vizepräsidentin und Writers-in-Exile-Beauftragte

Auszug aus der Pressekonferenz vom PEN-Zentrum Deutschland am 15.10.2009 , Pressezentrum Buchmesse Frankfurt/Main

Von der Pressekonferenz am 15. Oktober gibt es einen Mitschnitt, den Sie hier in zwei unterschiedlichen Qualitäten/Größen als MP3 herunterladen und anhören können.

Nachtrag

Nur wenige Tage nach Veröffentlichung dieser Presseerklärung kam Ende Oktober doch noch der erlösende Bescheid: Amir Valle und seine Familie haben Asyl erhalten und dürfen in Deutschland bleiben.

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