19.11.2009 – Ein Regen aus Kieseln wird fallen – Texte aus dem Exil

Seit zehn Jahren bietet das vom Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien finanzierte Writers-in-Exile-Programm des deutschen PEN-Zentrums politisch verfolgten Autorinnen und Autoren aus aller Welt für maximal drei Jahre eine sichere Zuflucht. Zwei Dutzend Schriftsteller und Journalisten konnten wir in dieser Zeit Gastrecht und solidarische Unterstützung gewähren. Gegenwärtig bewohnen sechs von ihnen unsere Stipendiatenwohnungen in Berlin, Hamburg, Köln und München. Die im April dieses Jahres erschienene, von Sigfrid Gauch und Claudia C. Krauße herausgegebene Anthologie Ein Regen aus Kieseln wird fallen – Texte aus dem Exil vereint Gedichte und Prosabeiträge von 22 ehemaligen und gegenwärtigen Writers-in-Exile-Stipendiaten und legt eindrucksvoll Zeugnis davon ab, was Leben und Schreiben im Exil bedeutet.

Christa Schuenke und Jan Wagner präsentieren die dritte Writers-in-Exile-Anthologie des deutschen PEN-Zentrums und geben Auskunft über den Einsatz des PEN für inhaftierte und politisch verfolgte Schriftsteller und Journalisten.

Es lesen
Swetlana Alexijewitsch (Weißrussland)
Amir Valle Ojeda (Kuba)
Hamid Skif (Algerien)
Vortrag der deutschen Übersetzungen: Ganna-Maria Braungardt und Joachim Meinert

Termin: 19. November 2009 um 20 Uhr
Ort: Georg Büchner Buchladen am Kollwitzplatz, Wörther Straße 16, 10405 Berlin

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Berlin-Brandenburgischen Literaturwochen 2009 statt und mit finanzieller Unterstützung seitens des Literaturbüros Berlin-Brandenburg.

Ein Regen aus Kieseln wird fallen – Texte aus dem Exil, herausgegeben von Sigfrid Gauch und Claudia Krausse, Verlag Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2009, 398 Seiten

Kurzbiografien

Swetlana Alexijewitsch, geboren 1948, kommt aus Weißrussland, wo sie seit dem Machtantritt von Präsident Lukaschenko 1994 mit einem generellen Publikationsverbot belegt ist. Ihre Bücher wurden in 28 Sprachen übersetzt, sie erhielt zahlreiche Preise, unter anderem den Friedenspreis der Stadt Osnabrück, den Kurt-Tucholsky-Preis des schwedischen PEN und den Leipziger Buchpreis für europäische Verständigung. Bekannt wurde sie bei uns vor allem durch ihre Bücher Zinkjungen (1992); Der Krieg hat kein weibliches Gesicht (2004) und Tschernobyl – Eine Chronik der Zukunft (2006). Seit 2008 lebt sie als Stipendiatin des Writers-in-Exile-Programms des deutschen PEN-Zentrums in Berlin.

Hamid Skif, geboren 1951 in Oran, von Juli 1999 bis Dezember 2005 Stipendiat des Writers-in-Exile-Programms des deutschen PEN-Zentrums, war den Machthabern in seiner Heimat als kritischer Journalist verhasst. Anfang der siebziger Jahre kam er ins Gefängnis. Kaum wieder frei, prangerte er die in algerischen Gefängnissen üblichen Folterpraktiken öffentlich an, was ihm Morddrohungen eintrug. Für seine Auseinandersetzung mit dem muslimischen Fundamentalismus in seinem Lande rächten sich deren Verfechter mit mehreren glücklicherweise fehlgeschlagenen Attentaten auf seine Person. Nach wiederholten Bombenanschlägen auf sein Haus und die Redaktion der Zeitschrift, für die er tätig war, rettete er sich mit seiner Familie nach Deutschland und lebt seither in Hamburg. Er schreibt in französischer Sprache. In deutscher Übersetzung liegen von ihm vor: eine Sammlung fiktiver Briefe mit dem Titel Sehr geehrter Herr Präsident (2003); der Kurzprosaband Hure mit Krawatte – Erzählungen aus Algerien (2004); der Lyrikband Exile der Frühe: Gedichte – Briefe eines Abwesenden und der Roman Geografie der Angst.

Amir Valle Ojeda, geboren 1967 in Guantánamo, ist ein mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen geehrter Schriftsteller, Literaturkritker und Journalist, dem seine kritische Sicht auf die Zustände in seinem Land, aber auch der zunehmende internationale Erfolg seiner Arbeiten das Misstrauen der kubanischen Regierung eintrug. Von staatlicher Seite geächtet und mit Publikationsverboten belegt, zwangen ihn schließlich handgreifliche Drohungen gegen ihn und seine Familie, Kuba zu verlassen. Mit Hilfe seiner spanischen Verleger gelang ihm die Flucht. Seit August 2006 lebt er als Writers-in-Exile-Stipendiat des deutschen PEN in Berlin. Gegenwärtig wartet er auf einen positiven Entscheid seines im Februar dieses Jahres gestellten Asylantrags. Seine wichtigsten Publikationen der letzten Jahre sind die auf deutsch vorliegenden Romane Die Türen der Nacht (2005); Die Wörter und die Toten. Nachruf auf eine Revolution (2008); Die Haut und die Nackten (2006); Die Wörter und die Toten (2007) und Wenn Cristo dich entkleidet (2006); die Kriminalromane Zwischen Angst und Schatten (2007) Freistatt der Schatten (2008) und Abstieg in die Hölle (2009); die Dokumentation Habana Babilonia – Prostitution in Kuba (2008); und die soeben im spanischen Verlag almed erschienene, noch nicht ins Deutsche übersetzte Monografie La Habana. Puerta de las Américas (2009)

Ganna-Maria Braungardt, geboren 1956, hat sich als Übersetzerin u.a. von Ljudmilla Ulitzkaja, Tschingis Aitmatow, Daniil Granin und Swetlana Alexijewitsch einen Namen gemacht. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Joachim Meinert, geboren 1939, ist Herausgeber, Verlagslektor und literarischer Übersetzer aus dem Spanischen, Italienischen, Französischen und Englischen. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Christa Schuenke, geboren 1948, ist literarische Übersetzerin aus dem Englischen; zu ihren wichtigsten Autoren zählen William Shakespeare, John Donne, Jonathan Swift, John Keats, Herman Melville, William Butler Yeats, Francis Scott Fitzgerald, Isaac Bashevis Singer, Muriel Spark, James Kelman, John Banville, William Gibson und Mark Z. Danielewski. Seit Mai 2009 ist sie Vizepräsidenten des deutschen PEN-Zentrums und Beauftragte für Writers in Exile.

Jan Wagner, geboren 1971, ist ein mit vielen Literaturpreisen ausgezeichneter Dichter, Herausgeber und Übersetzer. Er veröffentlichte die Gedichtbände Probebohrung im Himmel (2001); Guerickes Sperling (2004) und Achtzehn Pasteten (2007), gab unter anderem die Gedichtbände Grübelei im Rinnstein von Charles Simic (2000), Der falsche Weg nach Hause von James Tate (2004) und Rosa Milch von Matthew Sweeney (2008) heraus, die er auch übersetzte, den Band von Charles Simic zusammen mit Hans Magnus Enzensberger, Michael Krüger und Rainer G. Schmidt. Darüber hinaus gab er gemeinsam mit Björn Kuhligk die Anthologien Lyrik von Jetzt. 74 Stimmen (2003) und Lyrik von Jetzt 2 (2008) heraus. Seit Mai 2009 gehört er dem Präsidium des deutschen PEN-Zentrums als Beisitzer an.

Beginn:
19.11.2009
Veranstaltungsort:
Berlin

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