Bei Ling in Peking verhaftet und nach Deutschland ausgewiesen

Der im Exil lebende Dichter, Essayist und Verleger Bei Ling hat sich nach der Bekanntgabe des diesjährigen Friedensnobelpreisträgers öffentlich zu seinem Freund und Mitstreiter Liu Xiaobo bekannt. Wie er gestern mitteilte, ist er am 4. November nach einem Flug mit Air China von Frankfurt nach Peking noch bevor er seinen geplanten Weiterflug nach Taipeh antreten konnte, von zwanzig schwerbewaffneten chinesischen Polizisten auf dem Flugfeld in Peking festgenommen worden. Nach zwei Stunden zog man ihn in einen Lieferwagen und zwang ihn zum Rückflug nach Frankfurt. Dabei zog er sich eine äußerst schmerzhafte Zerrung der Rückenmuskulatur zu. Ein Koffer mit Manuskripten und literarischen Notizen wurde beschlagnahmt, darunter Teile eines Buches, das 2011 in deutscher Übersetzung im Suhrkamp Verlag erscheinen soll. Bei Ling hätte in Taipeh ein Stipendium als „Stadtschreiber“ antreten sollen.

Da die Polizei selbst die Verhaftung auf dem Flughafen gefilmt hat, darf man annehmen, dass die chinesische Regierung im Vorfeld der Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo unverhohlen Angst und Schrecken verbreiten will. Der massenhaft verhängte Hausarrest für chinesische Künstler und Intellektuelle, dem auch Liu Xia, die Ehefrau Liu Xiaobos, unterworfen ist, deutet in die gleiche Richtung, ebenso die Zerstörung von Mobiltelefonen und die Kontrolle des E-Mailverkehrs gerade auch westlicher Korrespondenten.

Der deutsche PEN protestiert gegen diese die Menschenrechte verletzenden Vorgänge sowie gegen die erneute Behinderung der literarischen Arbeit Bei Lings. Seine Verhaftung wirft einen weiteren Schatten auf die Verleihung des Hermann Kesten-Preises 2010 an Liu Xiaobo, die der PEN am 11. November im Darmstädter Staatstheater vornehmen wird. Der deutsche PEN fordert die sofortige Freigabe der Manuskripte und literarischen Aufzeichnungen von Bei Ling und die umgehende Rücknahme der Einschränkung seiner persönlichen Freizügigkeit.

Für das PEN-Zentrum Deutschland
Herbert Wiesner
Generalsekretär

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