Revision gegen Freispruch eingelegt. Pinar Selek weiterhin in Gefahr.

Wie gemeldet, beharrte das Istanbuler Landesgericht am 09.02.2011 auf seiner bereits zweimal getroffenen Entscheidung, Pinar Selek von dem Vorwurf freizusprechen, 1998 einen terroristischen Bombenanschlag auf den Istanbuler Gewürzbasar verübt zu haben.

Soeben erfahren wir aus der Türkei, dass der Staatsanwalt der 12. Kammer für Schwere Straftaten des Istanbuler Landesgerichts, vor der diese Entscheidung vor zwei Tagen verkündet wurde, Berufung eingelegt hat gegen diesen Verfahrensschritt, der einem dritten Freispruch für unsere Writers-in-Exile-Stipendiatin gleichkommt. Der Staatsanwalt hätte dazu 15 Tage Zeit gehabt. Er hat die Revision schon nach zwei Tagen eingereicht.

Damit geht das Verfahren erneut an die Höchstrichterliche Versammlung des Obersten Gerichts zurück, das bereits im September 2010 die Verurteilung Pinar Seleks zu 36 Jahren Isolationshaft gefordert und damit das Wiederaufnahmeverfahren am 09.02.2011 überhaupt notwendig gemacht hat.

Die Gerichtsverhandlung vor zwei Tagen in Istanbul fand in Gegenwart zahlreicher Prozessbeobachter statt, darunter mehrere Abgeordnete des Europaparlaments und des deutschen Bundestages sowie führende Mitglieder vieler Menschenrechtsorganisationen, des internationalen, des türkischen und deutsch-schweizer PEN. Für das PEN-Zentrum Deutschland waren Christa Schuenke und Günter Wallraff vor Ort.

Wir sind bestürzt und in höchstem Maße besorgt über diese überraschende und entmutigende Entwicklung eines Verfahrens, das ein paar Stunden lang eine Wende im Umgang der türkischen Justiz mit Andersdenkenden einzuleiten schien.

Der deutsche PEN steht fest hinter Pinar Selek und wird sie weiterhin nach Kräften unterstützen.

Für das PEN-Zentrum Deutschland
Christa Schuenke
Vizepräsidentin und Writers-in-Exile-Beauftragte
Herbert Wiesner
Generalsekretär

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