PEN fordert sofortige Einstellung der Verfahren gegen Pinar Selek

Für den 1. August 2012 war vor dem Kriminalgericht für schwere Straftaten in Istanbul ein neuer Verhandlungstermin in dem seit 14 Jahren andauernden Prozess gegen Pinar Selek angesetzt. Man beschuldigt die Soziologin und Schriftstellerin Pinar Selek, von 2009 bis 2011 Stipendiatin im Writers-in-Exile-Programm des PEN-Zentrums Deutschland, 1997 im Auftrag der PKK einen Bombenanschlag auf den Istanbuler Gewürzbasar verübt zu haben. Mehrere unabhängige forensische Gutachter stellten einhellig fest, dass die Explosion, die damals mehrere Menschenleben und zahlreiche Verletzte kostete, nicht durch eine Bombe, sondern durch eine defekte Gasflasche an einem Imbissstand verursacht war. Pinar Selek wurde in diesem Verfahren bereits dreimal freigesprochen, zuletzt im Februar 2011. Ihr Verfahren war von einem parallel geführten Prozess gegen mehrere PKK-Mitglieder abgelöst worden. Im März dieses Jahres wurde es ohne jede Rechtfertigung erneut mit ihm verknüpft, sodass Pinar Selek – ungeachtet des dreifach bestätigten Freispruchs – weiter die vom Staatsanwalt kürzlich erneut geforderte lebenslange Freiheitsstrafe unter verschärften Bedingungen (36 Jahre strengste Isolationshaft) droht.

Dieses Strafmaß wurde im Frühjahr 2009 bereits vom Obersten Kassationsgerichtshof in Ankara gefordert. Es war der Grund, weshalb Pinar Selek ins Exil gehen musste. Als das Gericht am 1. August zusammentrat, fällte es nur eine einzige Entscheidung, nämlich die, sich erneut zu vertagen. Die nächste Verhandlung ist auf den 22. November 2012 angesetzt.

Das PEN-Zentrum Deutschland protestiert aufs Schärfste gegen diesen fortgesetzten Nervenkrieg, dem unsere Freundin und ehemalige Stipendiatin Pinar Selek seit bald 15 Jahren ausgesetzt ist. Wir verlangen die sofortige Einstellung sämtlicher Verfahren gegen Pinar Selek. Den türkischen Staatspräsidenten, Abdullah Gül, sowie den Justizminister der Türkei, Sadullah Ergin, möchten wir dringend ersuchen, dieser mutigen Streiterin für Demokratie und Menschenrechte umgehend die gefahrlose Rückkehr in ihr Heimatland zu ermöglichen.  

Für das P.E.N.-Zentrum Deutschland
Christa Schuenke
Vizepräsidentin und Writers-in-Exile-Beauftragte

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