PEN protestiert gegen Gerichtsbeschluss und fordert Freispruch für Pinar Selek

Am 9. Februar 2011 war unsere frühere Writers in Exile-Stipendiatin Pinar Selek nach 2002 und 2006 ein drittes Mal von dem Vorwurf freigesprochen worden, im Sommer 1998 einen Bombenanschlag auf den Istanbuler Gewürzbasar begangen zu haben. Die Soziologin und Schriftstellerin Pinar Selek setzt sich seit Jahren für ethnische Minderheiten sowie für ausgegrenzte und sozial benachteiligte Gruppen ein; sie beleuchtet die Gender-Thematik unter militarismuskritischen Aspekten und hat Gewalt als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele stets entschieden abgelehnt. Dennoch hat dasselbe Gericht, das sich vor knapp zwei Jahren erneut von ihrer Unschuld überzeugt sah, am 22. November 2012 in einer angeblich rein formalen Sitzung völlig überraschend seine eigene Entscheidung aufgehoben. Allerdings unter dem Vorsitz eines mit den Einzelheiten des Falles nicht vertrauten Richters, der den erkrankten Gerichtspräsidenten vertrat. Dieser Stellvertreter beschloss ohne Anhörung der Verteidigung die Aufhebung des Freispruchs und ordnete darüber hinaus – in eklatantem Widerspruch sowohl zum türkischen als auch zum internationalen Recht – an, das seit über 14 Jahren andauernde Verfahren gegen Pinar Selek neu aufzurollen. Eine Entscheidung, die augenscheinlich nur das eine Ziel hat, eine Frau, die mutig für Demokratie und Menschenrechte eintritt, auf Dauer aus ihrem Heimatland zu verbannen und ihr so eine aktive Teilhabe an den dort vor sich gehenden gesellschaftlichen Prozessen unmöglich zu machen.

Der Gerichtsbeschluss vom 22. November 2012 ist mit Sicherheit nicht das letzte Wort in diesem kafkaesken Prozess, der in wenigen Wochen in sein fünfzehntes Jahr geht. Der Kampf, der Pinar Selek aufgezwungen wird und in dem sie von vielen Menschen in der Türkei und in aller Welt unterstützt wird, geht weiter.

Wir protestieren mit aller Schärfe gegen diesen skandalösen Gerichtsbeschluss und versichern Pinar Selek ein weiteres Mal unserer Solidarität.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Christa Schuenke
Vizepräsidentin und Writers in Exile-Beauftragte

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