Pressemitteilung des PEN-Zentrums Deutschland: Im zweiten Halbjahr 2012 über 590 Übergriffe auf Publizisten weltweit

Neue „Caselist“ des internationalen PEN erschienen – Deutsches PEN-Zentrum ernennt heute drei neue Ehrenmitglieder: Mohammed al-Ajami, Li Bifeng und Pinar Selek

Das PEN-Zentrum Deutschland hat auf seiner Webseite (www.pen-deutschland.de) soeben die neueste Version der „Caselist“ seiner internationalen Dachorganisation veröffentlicht, die für das zweite Halbjahr des letzten Jahres über 590 Übergriffe auf Schriftsteller, Journalisten und Verleger weltweit aufführt. Im gesamten Jahr 2012 verzeichnete die Autorenvereinigung 14 getötete Schriftsteller, die ermordet wurden, weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnahmen, bei 31 weiteren Todesfällen ist ein Zusammenhang mit dem Beruf der Autoren nicht ausgeschlossen. 157 Schriftsteller und Journalisten müssen zurzeit langjährige Haftstrafen absitzen, weil sie in Ländern wie etwa China, Vietnam, der Türkei, Eritrea und Usbekistan kritische Texte veröffentlichten. 133 weitere Autoren werden durch Behörden festgehalten, 170 erwarten ein Urteil, ohne bislang im Gefängnis zu sein. Alle diese Fälle beobachtet der PEN und engagiert sich für die Betroffenen; immer wieder weist die Organisation auf das Menschenrecht zur freien Meinungsäußerung hin und fordert die bedingungslose Freilassung aller Autoren, die nur wegen des Gebrauchs dieses Grundrechts verfolgt und bestraft werden.

In drei aktuellen Fällen hat das deutsche PEN-Zentrum heute Morgen im Rahmen seiner Präsidiumssitzung in Berlin entschieden, die Betroffenen mit sofortiger Wirkung zu Ehrenmitgliedern zu ernennen und damit ihr Schicksal besonders in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken: Der katarische Dichter Mohammed al-Ajami wurde am 29.11.2012 wegen eines 22-zeiligen Gedichts, in dem er das Herrscherhaus von Katar kritisierte, zu lebenslanger Haft verurteilt. Der chinesische Autor und Menschenrechtsaktivist Li Bifeng wurde im September 2011 zum wiederholten Male festgenommen und ein Jahr später offiziell wegen Wirtschaftsverbrechen zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Verurteilung wird auf seine Freundschaft mit dem im Exil lebenden Schriftsteller Liao Yiwu zurückgeführt, dem er angeblich zur Flucht verholfen haben soll. Die türkische Soziologin und Schriftstellerin Pinar Selek wurde in Abwesenheit am 24. Januar 2013 von der 12. Kammer des Istanbuler Gerichts für schwere Straftaten zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe unter verschärften Bedingungen (d. h. 36 Jahre Isolationshaft) verurteilt, obgleich sie zuvor bereits dreimal freigesprochen worden war und ihre Unschuld als bewiesen gilt. Der PEN rief die jeweiligen Behörden zur sofortigen Freilassung bzw. zur Einstellung der Verfahren auf. Ausführliche Porträts der neuen Ehrenmitglieder des deutschen PEN findet man unter: http://www.pen-deutschland.de/de/themen/…

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Sascha Feuchert
Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter
(sascha.feuchert [at] germanistik.uni-giessen [dot] de)

HerbertWiesner
Generalsekretär
(h.wiesner [at] berlin [dot] de)

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine der weltweit über 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists, Novelists. Der PEN wurde 1921 in England als literarischer Freundeskreis gegründet. Schnell hat er sich über die Länder der Erde ausgebreitet und sich als Anwalt des freien Wortes etabliert – er gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

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