Resolution zur Solidaritätsbekundung mit Bradley Manning

Auf der PEN-Jahrestagung verabschiedeten die Mitglieder eine weitere Resolution zur Solidaritätsbekundung mit Bradley Manning, deren Text Sie hier finden.

Resolution

Die in Marburg versammelten Mitglieder des PEN erklären sich solidarisch mit dem Militäranalysten Bradley Manning, der gegen die Zensur der US-Regierung versucht hat, die Wahrheit über die Verbrechen amerikanischer Soldaten im Irak ans Licht zu bringen. Im Gefängnis der Marine Corps Base Quantico wurde mit Isolationshaft ohne Kommunikation, ohne Bettlaken oder Kissen, ohne Kleidung, versucht, Manning physisch und psychisch zu zerbrechen.
Im April 2011 veröffentlichten die beiden renommierten Juristen Bruce Ackerman und Yochai Benkler einen offenen Brief an Barack Obama. In dem Schreiben bezeichneten sie Mannings Haftbedingungen als erniedrigend, unmenschlich, illegal und unmoralisch. Über 250 führende US-amerikanische Juristen haben das Schreiben ebenfalls unterzeichnet.
Manning hat sich inzwischen, wohl auf Anraten seiner Anwälte, in 10 von 22 Anklagepunkten für schuldig erklärt. Er entging damit zunächst einem Antrag der Anklage auf Todesstrafe. Doch der schwerste Anklagepunkt, Kollaboration mit dem Feind, ist damit nicht vom Tisch, und das Gericht kann noch immer auf Todesstrafe erkennen.
Manning wird die Veröffentlichung des bekannten Videos Collateral Murder zugeschrieben, in dem die Ermordung irakischer Zivilisten durch amerikanische Soldaten gezeigt wird, eines der wichtigsten Dokumente zur Grausamkeit des Krieges.

Das deutsche PEN-Zentrum erklärt, dass Mannings angeblicher Landesverrat der Aufklärung inhumaner Aktionen diente und somit in moralischem Sinn nicht als Verbrechen zu werten ist.
Wir erinnern in diesem Zusammenhang an Ingeborg Bachmanns Gedicht „Alle Tage“:

„es werden Zeiten kommen, da werden Orden verteilt:
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse“.

Resolution zum Download