Internationaler Tag der Muttersprache – deutscher PEN solidarisiert sich mit Sorben

Pressemitteilung, Darmstadt, 19. Februar 2014

Der deutsche PEN nimmt den Internationalen Tag der Muttersprache am 21.2. zum Anlass, auf die Anliegen der Sorben aufmerksam zu machen, deren Sprache und Kultur dem Abbau von Braunkohle und Kaolin zum Opfer fallen sollen.

Zwar garantieren Internationales Recht sowie die Landesverfassungen von Brandenburg und Sachsen den Sorben – seit dem frühen Mittelalter in der Lausitz ansässig – wie auch schon zu DDR-Zeiten einen Minderheitenschutz; auch in der Verfassung der Weimarer Republik war er definiert. Doch wurde der Tagebau von Braunkohle, bereits seit den zwanziger Jahren intensiv begonnen, in der DDR ausgeweitet und nach der friedlichen Revolution trotz heftiger Proteste weitergeführt: Die Zerstörung sorbischer Dörfer in der Ober- und Niederlausitz dauert an, damit verbunden sind Zwangsumsiedlungen und der unwiderrufliche Verlust traditioneller Kulturräume. Eine »Liste verschwundener Orte« zählt mehr als 136 Dörfer auf, die bisher dem Kohlebergbau weichen mussten. (www.verschwundene-orte.de)

»Die Energiewirtschaft … zerstört weiterhin Dörfer und gewachsene Siedlungsräume, die einmalig zum materiellen Weltkulturerbe gehören sollten“, so Benedikt Dyrlich, PEN-Mitglied und Vorsitzender des Sorbischen Künstlerbundes. „Bis heute können wir Sorben nichts gegen die rabiaten Verwüstungen unserer Lebens- Traditions- und Kulturräume durch die Wirtschaft tun, da das Bergbaurecht und andere Gesetze der Bundesrepublik Deutschland die gemeinschaftlichen Grundlagen der Existenz der sorbischen Sprache und Kultur in der Lausitz nicht schützen.«

Hinzu kommen drastische Kürzungen in der Kulturförderung durch Bund und Länder, so dass der Stiftung für das Sorbische Volk für 2014 Fördermittel in Höhe von einer Million Euro fehlen werden, falls der Bund und infolgedessen auch Sachsen und Brandenburg bei den derzeitigen Kürzungsplänen bleiben. Benedikt Dyrlich: „Jede Kürzung ist ein großer Einschnitt in die sorbische kulturelle Substanz. Was einmal an unseren kulturellen Werten verloren geht, ist unwiederbringlich verloren.“

Der deutsche PEN, der neun Schriftsteller sorbischer Sprache zu seinen Mitgliedern zählt, darunter neben Dyrlich Kito Lorenc und Róža Domašcyna, unterstützt die Minderheit der Sorben in ihren kulturellen Interessen. Die Zerstörung einer einzigartigen Sprach- und Kulturlandschaft für den Abbau eines technisch überholten und ökologisch bedenklichen Energieträgers ist nicht hinzunehmen.
Im Anhang finden Sie Gedichte von Dyrlich, Lorenc und Domašcyna auf sorbisch – der Gebrauch des Sorbischen wurde 1937 in Nazi-Deutschland verboten – sowie in deutscher Übersetzung.

Róža Domašcyna „SPRICH“ Sorbisch / Deutsch

Benedikt Dyrlich TÖDLICHESSorbisch / Deutsch

Kito Lorenc „DORFBEGRÄBNIS“  Sorbisch / Deutsch

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Hans Thill                                                                Regula Venske
Writers-for-Peace-Beauftragter                             Generalsekretärin

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine der weltweit über 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists, Novelists. Der PEN wurde 1921 in England als literarischer Freundeskreis gegründet. Schnell hat er sich über die Länder der Erde ausgebreitet und sich als Anwalt des freien Wortes etabliert – er gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

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