Politisch verfolgte Journalistin für ein Jahr in Darmstadt: Shahla Sultanova ist neue Stipendiatin

Pressemitteilung der Wissenschaftsstadt Darmstadt und des PEN, Darmstadt, 21.7.2014

Politisch verfolgte Journalistin lebt für ein Jahr in Darmstadt:
Shahla Sultanova aus Aserbaidschan ist neue Stipendiatin des Elsbeth-Wolffheim-
Literaturstipendiums

Seit dem 20. Mai wohnt die in ihrem Land politisch verfolgte Journalistin Shahla Sultanova (33) aus Aserbaidschan in der Stipendiatenwohnung im Haus der Deutsch-Balten im Darmstädter Herdweg. Sie ist für ein Jahr die neue Stipendiatin des von der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem PEN-Zentrum Deutschland vergebenen Elsbeth-Wolffheim-Literaturstipendiums.
„Darmstadt ist eine tolerante und weltoffene Stadt, die sich immer auch für diejenigen engagiert, die in ihren Heimatländern unter politischer Verfolgung leiden. Dieses Engagement ist seit nunmehr zehn Jahren ganz praktisch, denn wir bieten Autorinnen und Autoren eine Heimat auf Zeit, in der sie in Freiheit leben und arbeiten können. Ich danke dem PEN-Zentrum für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit im letzten Jahrzehnt, in diesem besonderen Darmstädter Verbund ist es uns gemeinsam gelungen, direkte Hilfe und Unterstützung zu organisieren“, erläutert Darmstadts Oberbürgermeister und Kulturdezernent Jochen Partsch.

„Unser Engagement für verfolgte und inhaftierte Autoren“, so Josef Haslinger, der Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, „kann nur dann erfolgreich sein, wenn es politische Strukturen und eine Bevölkerung gibt, die diese Arbeit unterstützen. Beides ist in Darmstadt der Fall.“

Shahla Sultanova wurde 1980 in Aserbaidschan geboren, wo sie mit Unterbrechungen bis zur Abreise nach Deutschland auch lebte. Neben ihrer journalistischen Arbeit hat sie unter anderem Medienmanagement, Betriebswirtschaftliche Kommunikation, Grundlagen des Journalismus und Journalismus für Funk und Fernsehen an der Universität in Baku unterrichtet. 2007 hat sie ihren Abschluss Master of Art in Journalistik und Media Management am Institute of Public Affairs in Tbilisi in Georgien abgeschlossen, 2010 erwarb sie ihren Master of Art in Journalistik an der Universität Bloomington in Indiana, USA. Weil sie sich in ihrer Heimat für Menschenrechte, Pressefreiheit und gegen die Regierung aussprach, wurde sie bedroht.
Während ihres Stipendiums in Darmstadt möchte Shahla Sultanova an verschiedenen Projekten arbeiten, insbesondere möchte sie ihre Erfahrungen, die sie als politisch engagierte Journalistin und Fernseh- und Radio Moderatorin in Aserbaidschan gemacht hat, weitergeben.

Hintergrundinformationen zum Elsbeth-Wolffheim-Stipendium
Das Elsbeth-Wolffheim-Stipendium wurde 2004 erstmals vergeben und ist dem „Writers-in-Exile“-Programm des PEN-Zentrums Deutschland angeschlossen. Es ist nach der im Jahr 2002 verstorbenen Schriftstellerin Elsbeth Wolffheim benannt, die viele Jahre die deutschen PENAktivitäten für politisch verfolgte Autoren organisiert hat.
Mit dem Stipendium werden eine Autorin oder ein Autor jeweils für ein Jahr gefördert, die durch eine problematische politische Situation in ihrem Heimatland gehindert sind, ihrer schreibenden Tätigkeit nachzugehen. Für die Dauer des Stipendiums stellt die Wissenschaftsstadt Darmstadt eine eingerichtete Wohnung zur Verfügung, hinzu kommt eine monatliche Unterstützung zum Lebensunterhalt. Die Betreuung der Stipendiaten erfolgt durch den PEN.

Bisherige Stipendiaten des Elsbeth-Wolffheim-Stipendiums:
2004 bis 2005 Elvira Rodríguez Puerto (Kuba)
2005 bis 2006 Rhoda Mashavave (Zimbabwe)
2007 bis 2010 Mainat Kourbanova (Tschetschenien)
2011 bis 2013 Sanath Balasooriya (Sri Lanka)
2014               Shahla Sultanova (Aserbaidschan)

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine der weltweit über 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists, Novelists. Der PEN wurde 1921 in England als literarischer Freundeskreis gegründet. Schnell hat er sich als Anwalt des freien Wortes etabliert – der PEN gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

21. Juli 2014 / SD

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