Internationaler PEN tagte in Kirgisistan: Interesse an deutschem Exilautorenprogramm

Pressemitteilung, Darmstadt, 6. Oktober 2014


80. Jahrestagung des Internationalen PEN in Kirgisistan: bedingungslose Entlassung dreier politischer Gefangener in Kasachstan, Kirgisistan und China gefordert / Internationales Interesse an deutschem Exilautorenprogramm

Auf der 80. Jahrestagung des Internationalen PEN, die vom 28.9.-2.10. in Bischkek, Kirgisistan stattfand, erinnerten drei leere Stühle an drei Gefangene der Region: den Journalisten und Menschenrechtsaktivisten Vladimir Kozlov, den PEN-Delegierte vor der Tagung im Gefängnis in Kasachstan besuchen konnten, den Journalisten und Korruptionsaufklärer Azimjon Askarov, der der usbekischen Minderheit in Kirgisistan angehört, und den uigurischen Wissenschaftler und Regimekritiker Ilham Tohti, der in China kürzlich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde. Die Versammlung forderte ihre sofortige und bedingungslose Entlassung. Weitere Themen des Kongresses waren die NSA-Überwachung und die daraus resultierende Selbstzensur von Autoren bereits auf der Ebene der Recherche, die Bedrohung der freien Meinungsäußerung durch Gesetze zu „Homosexueller Propaganda“ in einer Reihe von Ländern (Russland, Nigeria, Iran; auch für Kirgisistan sind entsprechende Gesetze geplant), die Bedrohung des Weltfriedens durch die zahlreichen Kriege und Konfliktherde in verschiedenen Regionen und die Verantwortung von Schriftstellern, sich jenseits aller Ideologien für den Frieden einzusetzen, aber auch Prinzipien des Urheberrechts u.a. Mit dem NEW VOICES AWARD für junge Autorinnen und Autorinnen, zu dem auch das PEN-Zentrum Deutschland zwei Vorschläge eingereicht hatte, wurde Marina Babanskaya (Russland) ausgezeichnet.

Zu den Schwerpunkten der deutschen Delegation gehörten der Austausch mit Vertretern des chinesischen Exil-PEN, der Austausch mit türkischen Kollegen, mit denen es bereits zuvor eine Podiumsdiskussion über die Meinungsfreiheit in der Türkei im Goethe-Institut Istanbul gegeben hatte, sowie der Ausbau von Kontakten mit afrikanischen Zentren. Die vom deutschen PEN eingebrachte Resolution mit der Forderung eines neuen Verfahrens für den US-amerikanischen Journalisten Mumia Abu Jamal wurde ohne Gegenstimmen verabschiedet; er verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Möglichkeit der Bewährung, was nach europäischer Rechtsprechung den Tatbestand der Folter erfüllen könnte. Auf besonderes internationales Interesse stieß die Vorstellung des Writers-in-Exile-Programms des deutschen PEN, das acht Schriftstellern in fünf Städten Zuflucht in Deutschland ermöglicht, durch Vizepräsidentin Franziska Sperr.

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine der weltweit über 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists, Novelists. Der PEN wurde 1921 in England als literarischer Freundeskreis gegründet. Schnell hat er sich über die Länder der Erde ausgebreitet und sich als Anwalt des freien Wortes etabliert – er gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Regula Venske
Generalsekretärin

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