Türkei: PEN in Sorge um Pinar Selek wegen andauernder Justizfarce

RAN 75/12 – Update #4

Foto von Pinar Selek

[Foto: Privat]

Die Entscheidung eines Gerichts in Istanbul, das Verfahren gegen die türkische Soziologin und Frauenrechtlerin Pinar Selek, 16 Jahre nach Beginn dieser rechtlichen Tortur, erneut fortzusetzen, ist ein zutiefst beunruhigender Justizirrtum, berichteten der internationale PEN und das amerikanische PEN-Zentrum. Sie hatten die letzte Anhörung in diesem Marathonverfahren in Istanbul verfolgt. Der PEN rief dazu auf, die andauernde Verfolgung der Autorin und Soziologin Pinar Selek endlich zu beenden.

„Das laufende Verfahren von Pinar Selek, nach sechzehn Jahren und drei Freisprüchen, wirft einen großen Schatten auf das türkische Justizsystem“, sagte Katy Glenn Bass, stellvertretende Direktorin des Programms für freie Meinungsäußerung des amerikanischen PEN-Zentrums.
„Während wir die Entscheidung des Gerichts begrüßen, den Haftbefehl und die ursprünglich verhängte lebenslange Haftstrafe für Pinar Selek aufzuheben, scheint es absurd, dass sich die angesehene Akademikerin trotz fehlender Beweise noch immer in einem Gerichtsverfahrens befindet.“
Das Verfahren gegen Selek soll am 5. Dezember 2014 fortgesetzt werden.
„Pinar Selek ist seit 16 Jahren in einem verworrenen Netz von Justizbelästigungen gefangen“, sagte Alev Yaman, türkische Forscherin und Campaignerin des internationalen PEN, die die Anhörung zusammen mit Katy Glenn Bass besuchte.
„Diese Situation sollte die türkische Öffentlichkeit ebenso interessieren wie Pinar Selek selbst. Sie demonstriert die Fehler des türkischen Justizsystems, wo sich Gerichtsverfahren oftmals fast unbegrenzt über Jahre hinweg hinziehen.“
Der PEN rief die türkische Regierung dazu auf, notwendige Schritte einzuleiten, die sicherstellen, dass Gerichtsverfahren in einem angemessenen Zeitraum beendet werden. (cm/sf)

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Bitte senden Sie schnell Protestbriefe:

  • Protestieren Sie gegen die andauernde gerichtliche Verfolgung von Pinar Selek nach 16 Jahren mit vielen Gerichtsverfahren und mehrfachen Freisprüchen;
  • Rufen Sie die türkischen Behörden dazu auf, sie von allen Strafen freizusprechen
  • Drücken Sie ihre Sorge darüber aus, dass ein Gerichtsverfahren aufgrund von fehlender überzeugender und zuverlässiger Beweise einem fairen Prozess widerspricht, so wie er im internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und der europäischen Konvention über menschliche und demokratische Rechte, dem die Türkei als Unterzeichner angehört, garantiert wird.

Hintergrund (bereitgestellt vom internationalen PEN)

Pınar Selek is a Turkish sociologist, writer and feminist known for her work on the rights of vulnerable communities in Turkey. She has written extensively about the plight of women, the poor, street children, the LGBT community and the Kurds in Turkey. She has been published in Turkish, French and German and is one of the founding editors of Amargi, a leading Turkish feminist journal.

Commentators believe that the 16-year prosecution of Selek is linked to her work as a sociologist researching Kurdish issues in the mid-to-late 1990s, and to contact with the banned Kurdish Workers’ Party (PKK). No evidence has been presented that shows Selek to have been a member of the PKK or to have engaged in violent activities. It is widely believed that she is being pursued through the courts as a means of penalising her for her legitimate research and commentary. These concerns are intensified by the allegations that Selek, during her imprisonment from 1998-2000, suffered torture under investigation in an attempt to make her confess to the charges.

Selek’s trial has received international attention and various human rights organisations have campaigned on her behalf. She is represented in court by her father Alp Selek, who was imprisoned in the aftermath of the 1980 military coup in Turkey.

PEN representatives to observe trial

PEN has supported Pınar Selek for a number of years in her struggle to clear her name, with centres such as PEN Turkey and German PEN having a long track record of observing her trials as does PEN International Vice-President Eugene Schoulgin.

The 3 October 2014 trial will be attended by Katy Glenn Bass, academic and Deputy Director of Freedom of Expression programs at the American PEN Center; Alev Yaman, PEN International’s Turkey researcher and campaigner; Hüseyin Duygu, Turkish writer and representative of Danish PEN; and Sabri Kuşkonmaz, lawyer and PEN Turkey member who will be part of Selek’s legal team at the trial.

Ankara Demo

General Secretary Regula Venske of the German PEN Centre alongside a Pinar Selek supporter at an April 2014 hearing