Writers-in-Prison-Day / Tag des inhaftierten Schriftstellers

Imprisoned but not silencedAm 15. November wird jährlich weltweit der Tag des inhaftierten Schriftstellers, der Writers-in-Prison-Day, begangen. Auch in diesem Jahr stellt der internationale PEN dabei wieder 5 Fälle in den Fokus: Enoh Meyomesse aus Kamerun, Nelson Aguilera aus Paraguay, Gao Yu aus China, Azimjon Askarov aus Kirgisistan und Mahvash Sabet aus dem Iran.

Gao Yu. Quelle: PEN International

Gao Yu. Quelle: PEN International

Die in Peking ansässige und renommierte Journalistin Gao Yu „verschwand“ am 23. April 2014 und blieb 2 Wochen lang isoliert, bis die chinesischen Behörden in einer im Fernsehen übertragenen Erklärung bekanntgaben, dass Gao Yu von der Pekinger Polizei wegen des angeblichen „Verrats von Staatsgeheimnissen ins Ausland“ verhaftet worden sei. Sie bleibt bis zum bevorstehenden Prozess in Haft und sieht einer langjährigen Gefängnisstrafe entgegen, sollte sie verurteilt werden. Ihr Aufenthaltsort bleibt unbekannt. Das Writers in Prison Komittee des deutschen PEN-Zentrums ist ernsthaft besorgt um das Wohlbefinden von Gao Yu. Wir rufen zur sofortigen und bedingungslosen Freilassung von Gao Yu auf, da wir davon ausgehen, dass sie einzig wegen ihrer legitimen beruflichen Aktivitäten verfolgt wird.

Azimjon Askarov. Quelle: PEN International

Azimjon Askarov. Quelle: PEN International

Azimjon Askarov, Journalist und Mitglied der usbekischen Minderheit Kirgisiens, hat in seiner Karriere viele Korruptionsfälle aufgedeckt. Er wurde während des interethnischen Konflikts in Osch und Dschalalabat im Juni 2010 verhaftet und am 15. September 2010 wegen der angeblichen Anstiftung zu Massenunruhen und Beihilfe zum Mord an einem Polizisten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der Ausschuss der Vereinten Nationen für die Beseitigung von Rassendiskriminierungen und andere unabhängige Beobachter haben berichtet, dass Askarov keinen fairen Prozess erhalten hat. Eine offizielle Untersuchung, die mittlerweile angestellt wurde, brachte sogar ans Licht, dass sich Askarov vor dem Mord nicht einmal in der Nähe des Tatortes befand und somit keine Rolle bei diesem gespielt haben kann. Nach Ansicht des PEN wurde Askarov einzig für seine kritischen Berichte über Korruptionen bei den Polizeiorganen bestraft. Wir rufen daher zu seiner sofortigen Freilassung und zur Aufhebung seiner Verurteilung auf. Berichten zufolge wurde Azimjon Askarov auch Opfer von Folterungen. Diese Berichte müssen gründlich und objektiv untersucht werden!

Mahvash Sabet. Quelle: PEN International

Mahvash Sabet. Quelle: PEN International

Die Lehrerin und Dichterin Mahvash Sabet sitzt momentan eine 20-jährige Haftstrafe im Evin-Gefängnis in Teheran ab. Sie ist eine von sieben führenden Vertretern der Bahai-Gemeinde, bekannt als “Yaran-i-Iran” – “Freunde des Irans” –, die seit 2008 wegen ihres Glaubens und ihrer Aktivitäten in der Bahai-Gemeinschaft inhaftiert sind. Im Gefängnis begann Mahvash Sabet damit, Gedichte zu schreiben. Eine Anthologie mit „Prison Poems“ wurde in englischer Übersetzung am 1. April 2013 veröffentlicht. Der internationale PEN ruft die iranischen Behörden dazu auf, Mahvash Sabet und alle anderen Schriftsteller, die lediglich wegen der Ausübung ihres Rechts auf Meinungsfreheit inhaftiert sind, umgehend freizulassen!

Nelson Aguilera. Quelle: PEN International

Nelson Aguilera. Quelle: PEN International

Nelson Aguliera, Schriftsteller, Lehrer und Mitglied des paraguayischen PEN, wurde am 4. November 2013 zu 30 Monaten Haft wegen eines angeblichen Plagiats verurteilt. Seine Verurteilung ist momentan Gegenstand eines Berufungsverfahrens am Obersten Gerichtshof. Aguilera wird beschuldigt, in seinem Kinderroman „Karumbita: La patriota“ (Karumbita: Der Patriot) Maria Eugenia Garays Roman aus dem Jahre 2005 mit dem Titel „El túnel del tiempo“ (der Tunnel der Zeit) plagiiert zu haben. Unabhängige Experten und Schriftsteller haben jedoch festgestellt, dass Ähnlichkeiten zwischen den beiden Büchern nicht als Plagiat bezeichnet werden können. Der PEN geht davon aus, dass Aguileras Strafe unrechtmäßig ist. Wir verurteilen den Schuldspruch und die 30-monatige Haftstrafe und fordern, dass das Urteil aufgehoben und Nelson Aguilera unter keinen Umständen inhaftiert wird.

Enoy Meyomesse. Quelle: PEN International

Enoy Meyomesse. Quelle: PEN International

Der kamerunische Dichter Dieudonné Enoh Meyomesse sitzt derzeit eine siebenjährige Haftstrafe wegen angeblicher Mittäterschaft beim Diebstahl und dem illegalen Verkauf von Gold ab. Es sind nun bereits 15 Monate vergangen, seit es Meyomesses Anwälten gelungen ist, dessen Fall zur Revision an ein Zivilgericht verweisen zu lassen. Sein Berufungsverfahren sollte am 20. Juni 2013 stattfinden, doch die Anhörung wurde vertagt. Mindestens elf weitere Anhörungen wurden aufgrund diverser rechtlicher Detailfragen verschoben. Momentan befindet er sich im überfüllten Zentralgefängnis in Kondengui in Jaunde, der kamerunischen Hauptstadt, in dem erbärmliche Bedingungen herrschen. Meyomesse leidet an mehreren Krankheiten, die von der Behandlung im Gefängnis herrühren, einschließlich einer Augenerkrankung und einer Magen-Darm-Infektion. Der internationale PEN geht davon aus, dass die Verurteilung Meyomesses ausschließlich politisch motiviert ist und seine Inhaftierung mit seinem regierungskritischen Schreiben und seinem politischen Engagement zusammenhängen. Daher protestieren wir gegen die Verurteilung von Enoh Meyomesse und fordern, dass er unverzüglich und bedingungslos freigelassen wird.

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