Mexiko: Morde an vier Journalisten müssen dringend untersucht und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden

Hernández„Der PEN hob in einem Beschluss, der beim 80. Kongress verabschiedet wurde, die Notwendigkeit eines besseren Schutzes von Journalisten hervor. Obwohl Mexiko die Empfehlungen der UN nach der allgemeinen, regelmäßigen Überprüfung der Menschenrechtsverletzungen zum Schutze der Journalisten im letzten Jahr scheinbar akzeptierte, scheint es nun, als seien es bloße Lippenbekenntnisse der mexikanischen Regierung gewesen. Die Morde effektiv zu untersuchen und die Täter vor Gericht zu bringen, ist ein wichtiger Schritt, diese allgegenwärtige Kultur der Straflosigkeit endlich zu beenden“, sagte Marian Botsford Fraser, Vorsitzende des Writers in Prison-Komitees.

María del Rosario Fuentes Rubio und der Herausgeber Jesús Antonio Gamboa Urías wurden beide innerhalb einer Woche im Oktober ermordet. Diese Morde folgten denen der Journalisten Víctor Pérez Pérez und Octavio Rojas Hernández im September und August dieses Jahres.

Am 15. Oktober wurde die Ärztin und Bürgerjournalistin María del Rosario Fuentes Rubio Berichten zufolge von bewaffneten Männern entführt, als sie die Tierra Santa Klinik im nördöstlichen Bundesstaat Tamaulipas verließ, in der sie als Ärztin arbeitete. Einen Tag später wurden Tweets von ihrem Twitter-Account versendet, die ihren Tod verkündeten, zusammen mit einem Bild ihres offensichtlich leblosen Körpers. Sie ist die sechste Reporterin, die in Tamaulipas seit 2010 getötet wurde.

Eine Woche nach Fuentes Entführung, am 22. Oktober 2014, wurde Jesús Antonio Gamboa Urías, Herausgeber der Zeitschrift „Nueva Prensa“, in Villa de Ahome im westlichen Bundesstaat Sinaloa tot aufgefunden. Er war12 Tage zuvor verschwunden. Berichten zufolge haben staatliche Ermittler festgestellt, dass auf Gamboa, der auch unter dem Spitznamen „El Tony Gamboa“ bekannt war, nach einer Auseinandersetzung in einer Bar mehrfach geschossen und er hinter einem ansässigen Motel teilweise begraben liegen gelassen wurde. Nach Berichten sind zwei Männer von den Behörden festgenommen worden, während vier weitere, die im Zusammenhang mit dem Verbrechen stehen, weiterhin gesucht werden.

Am 3. September wurde Víctor Pérez Pérez, Journalist  für das Kriminalmagazin „Sucesos“, in seinem Haus in Cuidad Juárez, im nördlichen Bundesstaat Chihuahua, erschossen. Die Angreifer waren zuvor gewaltsam in sein Haus eingedrungen. Laut lokalen Presseberichten hatte die städtische Polizei einen der mutmaßlichen Mörder am Ende des Tages bereits verhaftet. Ein weiterer Täter befindet sich weiterhin auf freiem Fuß. Juárez Bruder, Candelario Pérez Pérez, der ebenfalls als Journalist für „Sucesos“ gearbeitet hatte, war am 23. Juni 2008 erschossen worden. Er war gerade auf dem Weg zu Verwandten, die er besuchen wollte.

Am 11. August 2014 wurde Octavio Rojas Hernández, Polizeireporter für die Zeitung „El Buen Tono“ im Bundesstaat Veracruz und Gemeindepressesprecher in Cosolapa, im Bundesstaat Oaxaca, von einem unbekannten Angreifer in seinem Haus in San Jose Cosolapa erschossen. Rojas war gerade von einer Veranstaltung in der Gemeinde Palma Sola zurückgekehrt. Ein Mann klopfte an der Tür, um sich angeblich über einen vor dem Haus parkenden Wagen zu erkundigen. Als Rojas nach draußen ging, wurde vier Mal auf ihn geschossen. Berichten zufolge glauben Rojas Kollegen, dass der Mord mit seinen letzten Artikeln für „El Buen Tono“ zusammenhängt, in denen sich Rojas mit Banden-Aktivitäten auseinandersetzte. In einer Erklärung des Generalsstaatsanwalts Oaxacas wird jedoch keine Verbindung zu seiner Arbeit als Korrespondent hergestellt, was Anlass zur Sorge gibt, dass die Behörden dem Umstand, dass er vor seinem Tod als Journalist gearbeitet hat, in ihren Ermittlungen nicht nachgehen werden.

In diesem Monat legte Mexiko den 2. November als den jährlichen „Gedenktag der Toten“ fest, der mit dem ersten „Internationalen Tag gegen Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten“ der UN zusammenfiel. Unter denen, an die erinnert werden soll, sind die 56 Print- und Bürgerjournalisten, die in Mexiko seit Dezember 2006 getötet wurden. Zum damaligen Zeitpunkt begann der ehemalige Präsident Felipe Calderón seine bewaffnete Offensive gegen die Drogenkartelle. Mindestens neun weitere Journalisten sind in diesem Zeitraum verschwunden. Wenige Verbrechen, wenn überhaupt, wurden seitdem aufgeklärt. Der internationale PEN ruft die Behörden dazu auf, umgehend vollständige Untersuchungen aller Morde durchzuführen und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. (cm/sf)

Hintergrund (bereit gestellt vom Internationalen PEN in englischer Sprache):
Fuentes regularly tweeted about violence and organised crime under the pseudonym ‘Felina’ (‘Catwoman’) using the @Miut3 account. She had previously contributed to Valor por Tamaulipas (Courage for Tamaulipas) – a website used by citizen journalists to report on criminal activity – until she felt forced to stop in 2013 for safety reasons; she also regularly posted on an associated Facebook page calledResponsabilidad por Tamaulipas (Responsibility for Tamaulipas). In February 2013 an unidentified drug cartel offered a reward of US$44,000 for the identities of Valor por Tamaulipas’ administrators.

According to local judicial officials, Fuentes had been previously abducted from Hospital Miravalle de Reynosa on 5 October and bundled into an ambulance where she was forced to treat an assumed gang-member for a gunshot wound. It is unclear precisely when she was released, but Fuentes quit her job at the hospital three days later, on 8 October 2014.

Tweets sent from Fuentes’ account on 16 October warned against others risking their lives by informing on organised crime, and that the cartels were closing in on those who do. Subsequent tweets exposed Fuentes’ true identity and posted two images of her – the first alive, the second apparently dead.

Since Fuente’s body has yet to be recovered, the case officially remains open as an abduction and is reportedly being led by an anti-kidnapping squad, although officials believe  that Fuentes’ kidnapping and probable murder are linked to her work as a doctor.

PEN International has been campaigning for an end to impunity for the killings of journalists in Mexico since 2009 when it launched its campaign Freedom to Write in the Americas.  Since then, the organisation has sent two high level delegations to the country in January 2012 and March 2013 to press the authorities to address the issue more seriously, as well as publishing in 2012 its Write Against Impunity anthology, a literary protest highlighting the escalating violence against journalists, writers and bloggers in Latin America – in particular Mexico, Honduras and Brazil – and the impunity enjoyed by those who commit these crimes.

For further details please contact Tamsin Mitchell at the Writers in Prison Committee London Office: PEN International, Brownlow House, 50-51 High Holborn, London WC1V 6ER Tel: +44 (0) 207 405 0338 Fax +44 (0) 207 405 0339 email: tamsin.mitchell [at] pen-international [dot] org

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