PEN-Jahrestagung in Magdeburg erfolgreich beendet

Pressemitteilung, Magdeburg, 10. Mai 2015

PEN-Jahrestagung in Magdeburg erfolgreich beendet

Mit einer Matinee zum 100. Jahrestag des armenischen Genozids ging am Sonntag in Magdeburg die diesjährige Jahrestagung des PEN-Zentrums Deutschland zu Ende. Die Tagung stand unter dem Motto „Die böse Lust am Zweifel“ (Brigitte Reimann); Schirmherr war Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, dessen Partnerland Armenien ist.

Bei den Präsidiumswahlen wurde Präsident Josef Haslinger in seinem Amt bestätigt, ebenso Generalsekretärin Regula Venske, die beiden Vizepräsidenten Sascha Feuchert (zuständig für das Writers-in-Prison-Programm) und Franziska Sperr (Writers-in-Exile) sowie Schatzmeister Matthias Biskupek. Als Beisitzer wiedergewählt wurden Tanja Kinkel, Heinrich Peuckmann, Thomas Rothschild und Hans Thill (Writers-for-Peace). Neu im Präsidium ist Nina George, Schriftstellerin und ausgewiesene Urheberrechtsaktivistin. Sabine Kebir wurde für ihr langjähriges Engagement im Präsidium des deutschen PEN gedankt.

Mit „Drei Plädoyers für ein starkes Urheberrecht“ verleiht der deutsche PEN erneut seiner Forderung nach Schutz und Durchsetzung des europäischen Urheberrechts gegenüber dem amerikanischen Copyright Ausdruck und fordert u. a. die Durchsetzung der Rechte der Urheber und ihrer Partner gegenüber Internet-Piraterie durch eine entsprechende Anpassung des Telemediengesetzes, die europaweite Sicherung einer angemessenen Vergütung der Urheber und ausübenden Künstler insbesondere bei der digitalen Nutzung ihrer Werke sowie eine kapitelübergreifende Generalklausel im TTIP zum ausdrücklichen Schutz von Kultur und Medien. Bereits in seiner Eröffnungsrede hatte Präsident Josef Haslinger die Bedeutung des Urheberrechts und des Konzepts individueller Urheberschaft für das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und somit eine funktionierende Demokratie betont.

Die versammelten Autoren forderten die Bundesregierung auf, aus den moralischen Erwägungen des Bundespräsidenten praktische Folgerungen zu ziehen und die aus der NS-Zeit resultierenden Schulden an Griechenland zurückzahlen. Sie erklärten ihre Solidarität mit der Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard und forderten die Einstellung des Ermittlungsverfahrens durch die Hamburger Staatsanwaltschaft; gegen Deuflhard wird derzeit aufgrund eines Kunstprojekts, an dem auch fünf Mitglieder der sogenannten Lampedusa-Gruppe teilnahmen, wegen „Beihilfe zum Verstoß gegen das Aufenthaltsrecht für Ausländer“ ermittelt. Im vergangenen halben Jahr hat sich der deutsche PEN für ein menschenwürdiges Asylrecht und eine gesamteuropäische Flüchtlingspolitik starkgemacht; rund 1200 internationale Autorinnen und Autoren haben eine diesbezügliche Resolution inzwischen unterzeichnet. 

33 Autorinnen und Autoren wurden – vorbehaltlich ihrer Unterzeichnung der Charta des internationalen PEN – neu aufgenommen, darunter Joachim Kalka, Emine Sevgi Özdamar, Rafik Schami und Moritz Rinke.

Das Rahmenprogramm umfasste Veranstaltungen zur Meinungsfreiheit in Vietnam sowie Lesungen der im Vorjahr neu aufgenommenen Mitglieder, darunter Doris Gercke, Sergeij Lochthofen, Terézia Mora und Martin A. Völker.

Der Wortlaut der Resolutionen und der „Drei Plädoyers für ein starkes Urheberrecht“ ist auf der Homepage des PEN-Zentrums Deutschland zu finden.

Für das PEN-Zentrum Deutschland
Regula Venske                                          
Generalsekretärin

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine der weltweit über 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists, Novelists. Der PEN wurde 1921 in England als literarischer Freundeskreis gegründet. Schnell hat er sich über die Länder der Erde ausgebreitet und sich als Anwalt des freien Wortes etabliert – er gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

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