PEN mahnt gesamteuropäische Verantwortung für menschenwürdige Flüchtlingspolitik und Asylgesetzgebung an

Pressemitteilung, Darmstadt, 10. September 2015

Schutz in Europa
Internationaler PEN bekräftigt Initiative des deutschen PEN und mahnt gesamteuropäische Verantwortung für menschenwürdige Flüchtlingspolitik und Asylgesetzgebung an

Der internationale PEN hat die im vergangenen November vom deutschen PEN initiierte Forderung an die europäischen Staaten bekräftigt, ein gemeinsames, menschenwürdiges Asylrecht zu schaffen, das nicht durch staatlichen Egoismus geprägt ist, sondern vom Geist der Solidarität und Verantwortung. In der im November in Hamburg auf den Weg gebrachten Resolution „Schutz in Europa“, zu deren Erstunterzeichnern der am 13. April verstorbene Ehrenpräsident des deutschen PEN, Günter Grass, gehörte und die inzwischen von über 1.200 internationalen Autorinnen und Autoren unterzeichnet wurde, heißt es: „Die Verpflichtung, verfolgten Menschen Schutz zu gewähren, muss uneingeschränkt gelten.“ Im Einzelnen fordert der PEN:

  • Europa muss Menschen in Bedrängnis zu Hilfe kommen und legale Fluchtwege ermöglichen. Akut gefährdete Menschen sollen sich schon im Herkunftsland in den Botschaften der europäischen Staaten Visa beantragen können. Dies gilt insbesondere für Menschen in Kriegsgebieten. Flüchtlinge sollen nicht länger ihr Leben riskieren müssen, um nach Europa zu kommen und sie sollen, wenn sie in Europa Asyl suchen, nicht länger kriminalisiert werden.
  • Asylsuchende müssen in allen EU-Mitgliedsstaaten die gleichen Mindeststandards menschlicher Behandlung und die gleichen Chancen auf ein faires Asylverfahren vorfinden. Menschen sollen dort leben dürfen, wo sie Anknüpfungspunkte haben und nicht dort, wo sie zuerst gestrandet sind.
  • Um die Gleichbehandlung der Flüchtlinge in allen EU-Staaten zu ermöglichen, müssen auch die finanziellen Aufwendungen gerecht verteilt werden. Ein europäischer Flüchtlingsfonds, in den die Mitgliedsländer ihrer wirtschaftlichen Leistung entsprechend einzahlen, soll den Umgang mit Flüchtlingen den aktuellen Stimmungsschwankungen entreißen und stattdessen die Umsetzung eines verbindlichen europäischen Asylrechts ermöglichen. Die Europäische Union muss als gemeinsamer Schutzraum für Flüchtlinge verstanden werden.
  • Europäische Grenzschutzeinrichtungen sind als Sicherheitsmaßnahmen zu verstehen, aber sie sind nicht dazu da, andere zu gefährden. Das Massensterben von Flüchtlingen darf nicht durch Grenzschutz legitimiert oder tatenlos hingenommen werden. Die Rettung von Menschenleben muss oberste Priorität haben.

Bereits im April hatten Vertreter des deutschen und des internationalen PEN die Resolution in Brüssel dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, sowie in Berlin Vertretern des Bundesministeriums des Inneren übergeben. Die Verpflichtung, sich für Flüchtlinge einzusetzen, ergebe sich unmittelbar aus der Charta des internationalen PEN, so der internationale Präsident John Ralston Saul: „Literatur kennt keine Landesgrenzen. Mitglieder des PEN verpflichten sich, mit äußerster Kraft für die Bekämpfung von Rassen-, Klassen- und Völkerhass und für das Ideal einer einigen Welt und einer in Frieden lebenden Menschheit zu wirken. Wir können unseren Auftrag, verfolgten Schriftstellerkollegen zu helfen, nicht trennen von dem größeren humanitären Mandat, uns für ein friedliches Zusammenleben von Menschen und Völkern einzusetzen.“

Josef Haslinger, Präsident des deutschen PEN mit österreichischem Pass, erinnerte daran, dass neben den europäischen Staaten auch die Regierungen in anderen Regionen, insbesondere Nord-Amerika und den Golf-Staaten, ihre Flüchtlingspolitik fundamental ändern müssten zugunsten größerer Zulassungsquoten aus humanitären Gründen.

Bei der diesjährigen internationalen PEN-Jahrestagung im Oktober in Quebec wird die dramatische Lage der Flüchtlinge weltweit im Zentrum der Diskussionen stehen.

Den genauen Wortlaut des PEN Statements „Refugee Crisis“ im Original entnehmen Sie bitte hier.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Regula Venske
Generalsekretärin

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine der weltweit über 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists, Novelists. Der PEN wurde 1921 in England als literarischer Freundeskreis gegründet. Schnell hat er sich über die Länder der Erde ausgebreitet und sich als Anwalt des freien Wortes etabliert – er gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.