China: Sieben Jahre nach seiner Verhaftung fordert das PEN-Zentrum Deutschland erneut die Freilassung von Nobelpreisträger Liu Xiaobo und seiner Frau Liu Xia

Pressemitteilung, Darmstadt, 8. Dezember 2015

„Was zu tun ist, hat Liu Xiaobo in der Charta 08 formuliert, jenem Dokument, das zum unmittelbaren Anlass für seine Verhaftung wurde: ‚Alle politischen Gefangenen und Gefangene aufgrund ihres Glauben und ihrer Überzeugungen müssen freigelassen werden.‘ Daran führt kein Weg vorbei.”

Liu Xiaobo, *28.12.1955, China

Liu Xiaobo, *28.12.1955, China

(Josef Haslinger, Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, über die anhaltende Inhaftierung von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo).

Vor genau sieben Jahren wurde der Nobelpreisträger und frühere Präsident des unabhängigen chinesischen PEN (ICPC) Liu Xiaobo verhaftet. Als Schriftsteller, PEN-Mitglieder und Unterstützer stehen wir in andauernder Solidarität mit Liu Xiaobo und seiner Frau, der Künstlerin und Dichterin Liu Xia, die bereits seit mehr als fünf Jahren unter illegalem Hausarrest steht.

Der chinesische Dichter und Menschenrechtsverteidiger Liu Xiaobo wurde am 8. Dezember 2008 verhaftet und wegen seiner regimekritischen Schriften und seines friedlichen Aktivismus zu einer elfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Seine Inhaftierung wegen „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“ hängt mit seiner Rolle als führender Autor der „Charta 08“ zusammen, einem Manifest zum Schutz universeller Menschenrechte und für demokratische Reformen in China.

Im Oktober 2010 wurde Liu Xiaobo mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Da er aufgrund seiner Gefängnisstrafe nicht an der Preisverleihung in Oslo teilnehmen konnte, wurde er durch einen leeren Stuhl repräsentiert. Im November 2010 erhielt er den Hermann Kesten-Preis des deutschen PEN-Zentrums für seinen anhaltenden und gewaltlosen Kampf für Menschenrechte in China.

Seine Frau, die Dichterin und Künstlerin Liu Xia, wurde im Oktober 2010 in Folge der Nobelpreisbekanntgabe unter Hausarrest gestellt. Noch immer wird sie ohne Anklage oder ein ordentliches Gerichtsverfahren festgehalten. Ihr Zuhause wird bewacht und es ist ihr untersagt, frei mit der Außenwelt zu kommunizieren.

Wir glauben, dass der anhaltende Hausarrest von Lia Xia als Bestrafung für die Menschenrechtsarbeit ihres Mannes Liu Xiaobo zu verstehen ist.

Das PEN-Zentrum schließt sich dem Aufruf des Internationalen PEN an und fordert die chinesischen Behörden auf, Liu Xiaobo unverzüglich freizulassen sowie alle Restriktionen gegen Liu Xia aufzuheben.

Hier lesen Sie den Brief im englischen Original:

PEN writers urge China to release Nobel Peace Prize Laureate Liu Xiaobo and wife Liu Xia

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Sascha Feuchert

Vizepräsident und Writers in Prison-Beauftragter

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine der weltweit über 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists, Novelists. Der PEN wurde 1921 in England als literarischer Freundeskreis gegründet. Schnell hat er sich über die Länder der Erde ausgebreitet und sich als Anwalt des freien Wortes etabliert – er gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

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