Meinungsfreiheit und Blasphemie: Die deutsche Schriftstellervereinigung PEN tagte erfolgreich in Bamberg

Pressemitteilung, Darmstadt, 25. April 2016

Meinungsfreiheit und Blasphemie: Die deutsche Schriftstellervereinigung PEN tagte erfolgreich in Bamberg

Mit einer Matinee zu Literatur und bildender Kunst: Literarische Begegnungen mit dem Maler Felix Nussbaum, bei der u.a. Alissa Walser und Alban Nikolai Herbst lasen, ging am Sonntag in Bamberg die diesjährige Jahrestagung des PEN-Zentrums Deutschland zu Ende. Die Tagung stand unter dem Motto „Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar“ (Jean Paul).

Die Auftaktveranstaltung widmete sich neben der Vorstellung der aktuellen Writers in Exile-Stipendiaten der Meinungsfreiheit in der Türkei. Unter Moderation von Harro Zimmermann diskutierten der Writers-in-Prison-Beauftragte Sascha Feuchert, Spiegel-Korrespondent Hasnain Kazim und die Verlegerin Selma Wels (binooki-Verlag). Erneut erklären sich die Mitglieder des Deutschen PEN-Zentrums solidarisch mit ihren Ehrenmitgliedern Can Dündar und Erdem Gül und fordern den Bundestag und die Bundesregierung auf, sich mit allen verfügbaren Mitteln für die Freilassung beider Journalisten einzusetzen. Während der Tagung gründeten rund 50 Autorinnen und Autoren zudem ein neues Unterstützungskomitee, das die Arbeit im Bereich „Writers-in-Prison/Writers-at-Risk“ noch deutlich ausbauen will.

Desgleichen fordern die Mitglieder die Einstellung des Verfahrens gegen vier Mitglieder der türkischen Initiative „WissenschaftlerInnen für den Frieden“, Esra Mungan Gürsoy, Meral Camcı, Kıvanç Ersoy und Muzaffer Kaya. Aufgrund ihres Aufrufes an die Regierung ihres Landes, die Kriegshandlungen gegen insbesondere kurdische Bürger des Landes einzustellen, wird ihnen „Propaganda für eine Terrororganisation“ gemäß Artikel 7/2 des Anti-Terror-Gesetzes vorgeworfen. Am Freitag waren die Akademiker zwar auf freien Fuß gesetzt worden, der Prozess geht aber weiter.

Ferner fordert die Jahresversammlung Bundestag und Bundesrat dazu auf, den § 166 des Strafgesetzbuchs über Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen, den so genannten „Blasphemie-Paragraphen“, ersatzlos zu streichen. Vorausgegangen war eine Podiumsdiskussion über „Freiheit des Ausdruck und Blasphemie“, bei der Sigrid Löffler, Thomas Fischer, Horst Herrmann und Christoph Türcke das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten.

Neben der Freiheit des Wortes liegt den im deutschen PEN versammelten Autoren auch die Verantwortung und Sorgfaltspflicht im eigenen Schreiben am Herzen. Laut Charta haben sich alle PEN-Mitglieder verpflichtet, mit äußerster Kraft für die Bekämpfung von Rassen-, Klassen- und Völkerhass und für das Ideal einer einigen Welt und einer in Frieden lebenden Menschheit zu wirken. Es gehört zum Selbstverständnis des Vereins, gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit einzustehen.

Zum Welttag des Buches forderte der PEN gemeinsam mit elf AutorInnenverbänden eine Überarbeitung des Regierungsentwurfes zum Urhebervertragsrecht. Zurzeit findet in vielen Bereichen der Kultur eine Umverteilung zuungunsten der Autorinnen und Autoren und zugunsten von Kulturkonzernen und digitalen Intermediären statt.

Dass nach zehnjährigem Rechtsstreit der Supreme Court der USA die Klage der „Authors Guild“ abgelehnt hat und Google nun sämtliche auf dem amerikanischen Buchmarkt erschienenen Bücher – auch Übersetzungen von deutschsprachigen Publikationen – ohne Zustimmung des Autors und ohne Vergütung digitalisieren darf, ist ein Skandal.

Auch das BGH-Urteil gegen die VG Wort sieht das PEN-Zentrum kritisch. Eine starke Verwertungsgesellschaft ist nicht nur für Autorinnen und Autoren relevant, sondern sichert und erhält zudem eine vielfältige Verlagslandschaft.

Ebenso fand anlässlich des Welttags des Buches in Zusammenarbeit mit dem Bamberger Buch- und Medienhaus Hübscher eine große Signieraktion statt, bei der die Werke der anwesenden Autorinnen und Autoren auslagen und signiert wurden. Bei einem öffentlichen Lese-Abend stellten sich u.a. Zoë Beck, Joachim Helfer, Tom Schulz, Carlos Collado Seidel und Antje Rávic Strubel vor.

88 neue Mitglieder wurden – vorbehaltlich ihrer Unterzeichnung der Charta des internationalen PEN – neu aufgenommen, darunter Nora Bossong, Thea Dorn, Jenny Erpenbeck, Judith Hermann, Gila Lustiger, Yoko Tawada, Judith Schalansky und Joachim Unseld.

Die Jahrestagung 2017 wird unter dem Motto „Bleib erschütterbar und widersteh.“ (Peter Rühmkorf) vom 27. bis 30. April in Dortmund stattfinden.

Für das PEN-Zentrum:

Regula Venske                                                                  Nina George
Generalsekretärin                                                             Beisitzerin

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine der weltweit über 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists, Novelists. Der PEN wurde 1921 in England als literarischer Freundeskreis gegründet. Schnell hat er sich über die Länder der Erde ausgebreitet und sich als Anwalt des freien Wortes etabliert – er gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller

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