24.03.2017 – Vorstellung der PEN-Anthologie „Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren“ in Leipzig

PEN-Anthologie 2017 "Zuflucht in Deutschland.Texte verfolgter Autoren" (im S. Fischer Verlag)

PEN-Anthologie 2017 „Zuflucht in Deutschland.Texte verfolgter Autoren“ (S. Fischer Verlag)

Die Herausgeber Franziska Sperr und Josef Haslinger stellen in der Universitätsbibliothek Leipzig Zaza Burchuladze (Georgien) und Maynat Kurbanova (Tschetschenien) mit ihren Texten vor.

Dolmetscher: Sergej Gladkich

Der Eintritt ist frei.

Die Anthologie versammelt zwanzig Beiträge aktueller und ehemaliger Writers-in-Exile Stipendiaten. Die Autoren mussten aus China und Vietnam, aus Tschetschenien und dem Iran, aus Syrien und vielen anderen Ländern nach Deutschland fliehen.

Das Writers-in-Exile Programm ist ein Stipendienprogramm für verfolgte Schriftsteller, das von der Bundesregierung finanziert wird. Die geflüchteten Autorinnen und Autoren sollen hier die Ruhe und Konzentration finden, um wieder ihrem Beruf, dem Schreiben, nachgehen zu können. Für maximal drei Jahre stellen wir ihnen eine möblierte Wohnung in einer der größeren deutschen Städte zur Verfügung, dazu ein monatlich ausbezahltes Stipendium. Die Autoren werden, sobald sie sich von den erlittenen Strapazen in ihrer Heimat halbwegs erholt haben, ermutigt, ihre Arbeit als Schriftsteller fortzusetzen. Und wir, die Kollegen vom deutschen PEN, bringen sie in Kontakt mit Redakteuren, Verlegern und den Kollegen in ihrer Umgebung. Darüber hinaus verschaffen wir ihnen Auftritts- und Veröffentlichungsmöglichkeiten, etwa wie in der neuen Anthologie „Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren“, die nun vorgestellt wird. Es ist also kein Zufall, dass hinter den hier versammelten Texten Schicksale stehen, die ein bezeichnendes Licht auf die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Heimatländer dieser Autoren werfen. Doch auch die Probleme, die bewältigt werden müssen, wenn man als Schriftsteller in Deutschland eine neue Heimat finden muss, sind Thema in diesem Band.

Tata BUrchuladze Foto: Simone Ahrend, sah-photo

Zaza Burchuladze Foto: Simone Ahrend, sah-photo

Zaza Burchuladze wurde 1973 in Tiflis geboren und beschreibt sich selbst als zeitgenössischen postmodernen Autor. Bevor er als Schriftsteller und Übersetzer arbeitete, studierte er Malerei an der staatlichen Kunstakademie Tiflis. Er ist Verfasser mehrerer Romane, Essaysammlungen und Kurzgeschichten. Als freier Journalist schrieb er Beiträge für Radio Free Europe/Radio Liberty. In seinen Romanen greift Zaza Burchuladze immer wieder Themen auf, die in seinem Land als Tabus gelten: Texte über politischen Konformismus, Geschichten über Gewalt und Brutalität, weltanschauliche und religiöse Themen und Sexualität. Zusammen mit seinen intellektuellen Freunden stand er immer wieder in der ersten Reihe verschiedener Protestgruppen und lieferte sich harte Wortgefechte mit Zeitungs- und Fernsehjournalisten in der Öffentlichkeit. Wiederholt wurde er in seiner stark religiös geprägten Heimat wegen seiner öffentlich vorgetragenen verbalen Provokationen verfolgt, vehement bedroht und schließlich auf offener Straße niedergeschlagen. Trotz der Anzeige von rund 100 Kollegen wurde bis heute nichts zur Ergreifung des Täters unternommen. Auch der Aufruf des georgischen PEN, dass die Hauptfiguren eines Romans nicht mit dem Autor selbst zu verwechseln sind, blieb erfolglos. Seit Januar 2014 ist Zaza Burchuladze Writers in Exile-Stipendiat und lebt in Berlin.

Die tschetschenische Journalistin und ehemalige Writers-in-Exile Stipendiatin Maynat Kurbanova las ihren deutschen Prosa-Text „Hier in meiner kleinen Geborgenheit“. Foto: Ralf Juergens

Maynat Kurbanova
Foto: Ralf Juergens

Maynat Kurbanova wurde 1974 in Grosny geboren. Sie absolvierte die Fakultät für Journalistik an der Tschetschenischen Staatlichen Universität und arbeitete ab 1991 für verschiedene russische Massenmedien. Seit Anfang des zweiten Tschetschenienkrieges war sie als Korrespondentin der Moskauer Zeitung Nowaja Gazeta und für die Radiostation Swoboda im Nordkaukasus, auch in Tschetschenien, tätig. In ihren Reportagen berichtete sie über die Kriegsereignisse, über die unrühmlichen Taten des Militärs und über die Gewalt in der Tschetschenischen Republik. Nach mehreren Drohungen gegen ihre Person verließ sie Russland und war seit November 2004 Stipendiatin im Writers-in-Exile Programm des deutschen PEN. Inzwischen lebt Maynat Kurbanova in Wien, wo sie als selbständige Journalistin lebt.

Josef Haslinger [Foto: © Simone Ahrend, sah-photo]

Josef Haslinger
Foto: © Simone Ahrend, sah-photo

Josef Haslinger, geboren 1955 in Zwettl/Niederösterreich, lebt in Wien und Leipzig. Seit 1996 lehrt er als Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Seit Mai 2013 ist er Präsident des deutschen PEN.

Franziska Sperr Foto: Brigitte Corell

Franziska Sperr Foto: Brigitte Corell

Franziska Sperr, geboren 1949 in München, ist Vizepräsidentin und Writers-in-Exile Beauftragte des PEN-Zentrums Deutschland. Sie schreibt Romane, Kurzgeschichten, Radioreportagen und Buchrezensionen. Aus dem Englischen und Französischen übersetzte sie mehrere Bücher.

Beginn:
24.03.2017 - 20:00 Uhr
Veranstaltungsort:
Universitätsbibliothek Leipzig, Vortragssaal, Beethovenstraße 6, 04107 Leipzig

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