27.06.2017 – Tage des Exils 2017: Vorstellung der PEN-Anthologie „Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren“ im Hamburger Warburg-Haus

Im Rahmen der Tage des Exils 2017 (12.6.-2.7.) stellt die Herausgeberin Franziska Sperr im Gespräch mit der Literaturwissenschaftlerin Doerte Bischoff die Autoren Erik
Arellana Bautista aus Kolumbien und Sergej Solovkin aus Russland vor.

Die Anthologie versammelt zwanzig Beiträge aktueller und ehemaliger Writers-in-Exile Stipendiaten. Die Autoren mussten aus China und Vietnam, aus Tschetschenien und dem Iran, aus Syrien und vielen anderen Ländern nach Deutschland fliehen.

Das Writers-in-Exile Programm ist ein Stipendienprogramm für verfolgte Schriftsteller, das von der Bundesregierung finanziert wird. Die geflüchteten Autorinnen und Autoren sollen hier die Ruhe und Konzentration finden, um wieder ihrem Beruf, dem Schreiben, nachgehen zu können. Für maximal drei Jahre stellt ihnen das deutsche PEN-Zentrum eine möblierte Wohnung in einer der größeren deutschen Städte zur Verfügung, dazu ein monatlich ausbezahltes Stipendium. Die Autoren werden, sobald sie sich von den erlittenen Strapazen in ihrer Heimat halbwegs erholt haben, ermutigt, ihre Arbeit als Schriftsteller fortzusetzen. Die Kollegen vom deutschen PEN bringen sie in Kontakt mit Redakteuren, Verlegern und den Kollegen in ihrer Umgebung. Darüber hinaus werden ihnen Auftritts- und Veröffentlichungsmöglichkeiten verschafft, etwa wie in der neuen Anthologie „Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren“, die nun vorgestellt wird. Es ist also kein Zufall, dass hinter den hier versammelten Texten Schicksale stehen, die ein bezeichnendes Licht auf die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Heimatländer dieser Autoren werfen. Doch auch die Probleme, die bewältigt werden müssen, wenn man als Schriftsteller in Deutschland eine neue Heimat finden muss, sind Thema in diesem Band.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Tage des Exils 2017, initiiert von der Herbert und Elsbeth Weichmann-Stiftung in Kooperation mit der Körber-Stiftung, der Landeszentrale für politische Bildung und der Walter A. Berendsohn Forschungsstelle für deutsche Exilliteratur.

Weiterführende Informationen zum Gesamtprogramm der Tage des Exils 2017 können Sie dem Programmheft entnehmen.

Erik Arellana Bautista
Foto: © Roland Baege

Erik Arellana Bautista, geboren 1974 in Bogotá, ist ein kolumbianischer Menschenrechtsaktivist, Dokumentarfilmer, Journalist und Autor. Er gründete eine Stiftung, die nach seiner Mutter Nydia Erika Bautista benannt ist und arbeitet unermüdlich gegen das Vergessen der im bewaffneten kolumbianischen Konflikt Verschleppten und Verschwundenen. Seit Juni 2014 ist er Stipendiat im Writers-in-Exile Programm des PEN und lebt in Hamburg. Bundesweit nimmt Arellana Bautista seitdem an einer Vielzahl literarischer und künstlerischer Veranstaltungen teil, hält Lesungen und referiert u.a. an Universitäten zur Problematik der Menschenrechte in Kolumbien sowie zum Thema Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerillagruppe FARC.

Sergej Solovkin
Foto: © privat

Sergej Zolovkin wurde 1952 in Kok-Terek im Dschambul-Gebiet von Kasachstan geboren. An der Hochschule in Karaganda studierte er Jura und war als juristischer Gutachter im Kriminalkommissariat in Kasachstan tätig. Von 1979 bis 1986 führte er als Korrespondent der Republikanischen Jugendzeitung unabhängige journalistische Recherchen zu verschiedenen Kriminalfällen und zur Korruption in den Organen der Legislative und der Exekutive durch. Später wurde er Reporter der Nowaja Gazeta, wo er auf Recherchen im Bereich der Korruption spezialisiert war. Im März 2002 entging er wegen seiner kritischen Artikel nur um Haaresbreite einem Mordanschlag. Daraufhin flüchtete er mit seiner Frau nach Deutschland und war hier zunächst Gast der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte, bis er im September 2002 in das Writers-in-Exile Programm aufgenommen werden konnte, dessen Stipendiat er bis März 2004 blieb.

Franziska Sperr
Foto: Heinz Albert Staubitz

Franziska Sperr, geboren 1949 in München, ist Beauftragte des Writers-in-Exile Programms und Vizepräsidentin des PEN. Sie schreibt Romane, Kurzgeschichten, Radioreportagen und Buchrezensionen. Aus dem Englischen und Französischen übersetzte sie mehrere Bücher.

Beginn:
27.06.2017 - 19:00 Uhr
Veranstaltungsort:
Warburg-Haus, Heilwigstr. 116, 20249 Hamburg

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