Tag des inhaftierten Schriftstellers 2017

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Jährlich wird am 15. November der „Tag des inhaftierten Schriftstellers“ („Writers in Prison Day“ oder „Day of the Imprisoned Writer“) begangen, um auf das Schicksal von zu Unrecht inhaftierten und verfolgten Schriftstellern, Journalisten, Verlegern und Bloggern auf der ganzen Welt hinzuweisen und um an diejenigen zu erinnern, die getötet wurden, weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen haben.

Jedes Jahr stellt der internationale PEN ausgewählte Fälle in den Fokus, die beispielhaft für die Repressionen stehen, denen Kollegen weltweit täglich ausgesetzt sind.

Im Jahr 2017 sollen die Schicksale von Zehra Doğan (Türkei), Ramón Esono Ebalé (Äquatorialguinea), Cesario Alejandro Félix Padilla Figueroa (Honduras), Nguyen Ngoc Nhu Quynh (Vietnam) und Razan Zaitouneh (Syrien) besonders ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden.

Zehra Doğan (Quelle: PEN International)

Zehra Doğan
(Quelle: The Voice Project)

Am 12. Juni 2017 wurde die Journalistin und Künstlerin Zehra Doğan, die auch Mitarbeiterin der feministischen kurdischen Nachrichtenagentur Jinha war, in Polizeigewahrsam genommen, da sie am 24. März 2017 zu 2 Jahren, 9 Monaten und 22 Tagen Gefängnis verurteilt worden war. Doğans Verurteilung steht in Zusammenhang mit einer vorherigen Verhaftung im Juli 2016, nach der sie wegen angeblicher „Propaganda für eine terroristische Organisation“ und „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ angeklagt wurde. Die Anklagen gegen Doğan stützen sich auf ein Gemälde, einen Nachrichtenartikel und ihre Aktivitäten in den sozialen Medien. Sie verbüßt ihre Strafe im Diyarbakır Gefängnis. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2015 den prestigeträchtigen Metin-Göktepe-Journalismus-Preis für ihre Reportage „Die Schreie der Yezidi Frauen“.

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Ramón Esono Ebalé (Quelle PEN International)

Ramón Esono Ebalé
(Quelle: CRNI)

Ramón Esono Ebalé, alias Jamón y Queso, ist ein vielfach ausgezeichneter Karikaturist. Er schreibt und publiziert nicht nur auf seinem Internetblog, sondern hat mit La pesadilla de Obi (dt.: Obis Albtraum) auch eine Graphic Novel veröffentlicht. Ebalé wurde bekannt durch seine Kritik an Präsident Obiang und dessen Regierung und macht mittels seiner Karikaturen auf soziale Ungerechtigkeiten innerhalb der äquatorialguineischen Zivilgesellschaft sowie Menschrechtrechtsverletzungen durch den Staat aufmerksam.

Am 16. September 2017 wurde er in der Hauptstadt Malabo festgenommen. Er wurde zunächst bezüglich seiner Karikaturen befragt, die Präsident Obiang und andere Regierungsbeamte kritisieren. Einige Tage später berichteten Medien, dass gegen ihn wegen angeblicher Geldwäsche und Falschgeld ermittelt werde. Er wurde am 20. September einem Richter vorgeführt, der ihn zu diesen neuen Vorwürfen befragte. Später wurde er in das Black Beach Gefängnis in Malabo verbracht, wo er in Präventivhaft gehalten wird, während weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Er wurde bisher noch wegen keiner Straftat angeklagt. Am 3. Oktober 2017 erschien Ebalé vor Gericht und äußerte sich zu den Vorwürfen. Nach Informationen des internationalen PEN muss gegen ihn jedoch noch offiziell Anklage erhoben werden.

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Cesario Alejandro Félix Padilla Figueroa (Quelle: PEN International)

Cesario Alejandro Félix Padilla Figueroa (Quelle: Facebook)

Am Mittwoch, den 7. Juni 2017, wurde Cesario Alejandro Félix Padilla Figueroa, Journalist, Menschenrechtsaktivist und Gründungsmitglied des PEN in Honduras, zusammen mit zwei anderen Studenten von einem Gericht schuldig gesprochen, da sie an Studierendenprotesten an der Nationalen Autonomen Universität Honduras (Universidad Nacional Autónoma de Honduras, UNAH) teilgenommen hatten. Sie demonstrierten für einen besseren Zugang zur staatlichen Bildung ebenso wie eine Beteiligung der Studierenden in der Verwaltung der Universität und forderten ein Ende der Privatisierung der UNAH.

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Nguyen Ngoc Nhu Quynh (Quelle: PEN International)

Nguyen Ngoc Nhu Quynh (Quelle: Facebook)

Am 29. Juni 2017 wurde die Bloggerin und Regierungskritikerin Nguyen Ngoc Nhu Quynh, die unter ihrem Pseudonym Me Nâm („Mutter Pilz“) bekannt ist, wegen angeblicher „Propaganda gegen die Sozialistische Republik Vietnams“ nach Artikel 88 des Strafgesetzbuches schuldig gesprochen und zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Ihre Berufungsverhandlung, die am 27. September 2017 hätte stattfinden sollen, wurde auf unbestimmte Zeit und ohne Angabe von Gründen verschoben. Der PEN ist überzeugt, dass Me Nâm allein wegen der friedlichen Ausübung ihres Rechts auf Meinungsfreiheit inhaftiert ist und fordert deshalb ihre sofortige und bedingungslose Freilassung.

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Razan Zaitouneh (Quelle: PEN International)

Razan Zaitouneh (Quelle: Munira al-Hamwi)

Razan Zaitouneh ist eine syrische Menschenrechtsanwältin, Bloggerin und Schriftstellerin. Sie ist Mitbegründerin des Violations Documentation Center (VDC), wo sie die Menschenrechtsverletzungen und Gewaltanwendungen aller Kriegsparteien seit 2011 dokumentierte. Sie wurde unter anderem mit dem Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments und dem Petra-Kelly-Preis ausgezeichnet.

Am 9. Dezember 2013 wurden Zaitouneh, ihr Ehemann Wa’el Hamada sowie ihre Kollegen Samira al-Khalil und Nazem Hamadi während einer Razzia in den VDC-Geschäftsräumen in Douma, einem Vorort von Damaskus, von einer Gruppe bewaffneter Männer entführt. Seither gelten sie als vermisst und es wird angenommen, dass sie eine islamische Gruppierung, die Douma kontrolliert, gefangen hält. Zuvor hatten die vier Aktivisten nach ihrer Flucht aus den von syrischen Regierungstruppen besetzten Gebieten Menschenrechtsverletzungen dokumentiert.

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