Deutscher PEN unterstützt Frauenmanifest des Internationalen PEN und engagiert sich in verbandsübergreifendem Projekt der AG DIVERSITÄT, „Frauen zählen“

Pressemitteilung, Darmstadt, 7. März 2018

Deutscher PEN unterstützt Frauenmanifest des Internationalen PEN und engagiert sich in verbandsübergreifendem Projekt der AG DIVERSITÄT, „Frauen zählen“

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März unterstützt das PEN-Zentrum Deutschland das Women´s Manifesto des Internationalen PEN und bekennt sich zu den darin enthaltenen Forderungen nach Gewaltlosigkeit, Sicherheit, Bildung, Gleichheit, Zugang zu sämtlichen bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten sowie jeglichen Medien als Mittel der Meinungsfreiheit und schließlich Parität im Sinne der Förderung gleichberechtigter wirtschaftlicher Teilhabe. Das Frauenmanifest des Internationalen PEN wurde auf dem 83. Internationalen PEN-Kongress im vergangenen September im ukrainischen Lviv verabschiedet. Zu den Beraterinnen gehörte Nina George, Präsidiumsmitglied im deutschen PEN und Mitglied im Women Writers‘ Committee von PEN International.[i]

Auch hierzulande genießen Frauen – auch die vergleichsweise privilegierten Frauen im Kultur- und Literaturbetrieb – noch keine volle Gleichberechtigung, wie die von Kulturstaatsministerin Grütters in Auftrag gegebene Studie „Frauen in Kultur und Medien“ 2016 belegte. Nach wie vor ist der ‚Gender Pay Gap‘ ungebrochen, u. a. aufgrund von Teilzeitarbeit und unterbrochenen Erwerbsbiographien; Frauen in Führungspositionen sind unterrepräsentiert. Während Väter ihre Erwerbstätigkeit nach der Geburt eines Kindes nahezu unverändert fortsetzen, wenn nicht sogar ausweiten, geht die Elternschaft oft zu Lasten der Frauen, mit allen Konsequenzen, die das für die weitere Laufbahn, Altersversorgung usw. bedeutet. Demgegenüber seien Akademikerinnen in Führungspositionen, so die Studie, häufig kinderlos.[ii]

PEN-Präsidiumsmitglied Nina George, die 2016/2017 als Berichterstatterin für die Literatur am von Kulturstaatsministerin Monika Grütters einberufenen „Runden Tisch zu Frauen in Kultur und Medien“ teilnahm, initiierte das Projekt „Frauen zählen“, ein verbandsübergreifendes Projekt der AG DIVERSITÄT[iii], die aus der Arbeit des Runden Tisches hervorging. So wird in Kooperation mit dem Institut für Medienforschung an der Universität Rostock im März 2018 eine Pilotstudie zu „Sichtbarkeit von Frauen in Medien und im Literaturbetrieb“ durchgeführt, deren Ergebnisse auf der Frankfurter Buchmesse 2018 präsentiert werden sollen.

Hierzu Nina George:

„Nach den ersten fünf Auszählungstagen stellen wir fest: Auf 3 Rezensionen über Werke männlicher Autoren kommt maximal 1 Rezension über 1 Autorin, in manchen Fällen (WELT) auf 20 Autoren nur 2 Autorinnen, in anderen gar keine (MDR ARTTOUR). Die umfangreichen Rezensionen zwischen 4000 und bis zu 14.000 Zeichen würdigen deutlich mehrheitlich Autoren. Autorinnen kommen in der Sparte ‚Tipps‘ vor. Nebenbei: Für den Clemens-Brentano-Preis (Essay) sind 5 Autoren nominiert, keine Autorin. Und beim Leipziger Buchpreis ist in der Kategorie Sachbuch in 8 von 14 Jahren keine einzige Autorin nominiert gewesen.“

Obwohl der P.E.N. 1921 von einer Frau, der Autorin Catherine Amy Dawson Scott, gegründet wurde und in England von Anfang an eine Reihe damals prominenter Schriftstellerinnen dabei waren, wurde auf dem Internationalen Kongress im Juni 1928 in Oslo eine Resolution verabschiedet des Inhalts, dass auch Frauen als Mitglieder im P.E.N. zugelassen seien, so sie denn Autorinnen seien.[iv] Die Resolution war offenbar notwendig geworden, nachdem einzelne neu hinzukommende Zentren wie etwa der spanische PEN Frauen ausschließen wollten. Erfreulich ist immerhin, dass der deutsche PEN, vertreten durch Theodor Däubler, diese Resolution damals mit eingebracht hat.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Regula Venske
Präsidentin

 

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151 / 23120
Mobil: 0157 / 31382637
E-Mail: presse [at] pen-deutschland [dot] de

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine von derzeit weltweit 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

 

[i] Den genauen Wortlaut im englischen Original sowie in der deutschen Übersetzung von Christa Schuenke finden Sie hier: http://bit.ly/2FgW2k5; Übersetzungen in weitere Sprachen siehe http://www.piwwc.org

[ii] Vgl. Gabriele Schulz, Carolin Ries, Olaf Zimmermann: „Frauen in Kultur und Medien. Ein Überblick über aktuelle Tendenzen, Entwicklungen und Lösungsvorschläge“, Berlin (Hrsg. Deutscher Kulturrat e.V.) April 2016

[iii] Beteiligt an der AG Diversität sind neben dem PEN-Zentrum Deutschland Vertreterinnen und Vertreter des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS), der Mörderischen Schwestern, des Syndikat – Autorengruppe Kriminalliteratur, des Bundeskongresses Kinder- und Jugendbuch, der 42er Autoren und der Bücherfrauen sowie weitere Expertinnen und Journalistinnen. Ein Austausch von Forschungsergebnissen findet außerdem mit dem Institut für Germanistik der Universität Innsbruck statt.

[iv] „That women shall be considered eligible for membership of the P.E.N., if writers”!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.