Gemeinsame Erklärung des deutschen PEN-Zentrums, des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) und des Bundesverbandes der Friedrich-Bödecker-Kreise e.V. (FBK) zur drohenden Übernahme des Vorsitzes im Unterausschuss Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik durch die AfD

Gemeinsame Erklärung des deutschen PEN-Zentrums, des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) und des Bundesverbandes der Friedrich-Bödecker-Kreise e.V. (FBK) zur drohenden Übernahme des Vorsitzes im Unterausschuss Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik durch die AfD

Darmstadt / Berlin, 3.5.2018 I Das PEN-Zentrum Deutschland, der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) und der Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise e.V. fordern die Unionsfraktionen und die SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag auf, von ihrem Zugriffsrecht bei der Besetzung des Vorsitzes im Unterausschuss Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag Gebrauch zu machen.

Begründung:

Abwertende Äußerungen der AfD gegenüber unserer Erinnerungskultur oder die Forderung nach einer nationalistischen, einseitig ausgerichteten Kulturpolitik zeigen, dass Vertreter dieser Partei nicht geeignet sind, unser Land angemessen im Ausland zu vertreten:

Die AfD erklärt im Wahlprogramm: „Die aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus ist zugunsten einer erweiterten Geschichtsbetrachtung aufzubrechen, die auch die positiven, identitätsstiftenden Aspekte deutscher Geschichte mit umfasst“. Die damit verbundene Kehrtwende hätte gravierende Folgen. Gerade unsere Erinnerungskultur hat weltweit zu Anerkennung geführt und maßgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland in der Weltgemeinschaft positiv wahrgenommen und als friedlicher und verlässlicher Partner akzeptiert wird.

Die AfD spricht in ihrem Grundsatzprogramm ferner von „importierten kulturellen Strömungen“ als „ernste Bedrohung für den sozialen Frieden und für den Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit“. Das ist falsch. Kultur hat sich seit Menschengedenken immer dort entfaltet, wo ein Austausch über Grenzen hinweg möglich war.

Kultur bedingt Vielfalt und ist ohne Vielfalt undenkbar. Sie lebt vom Austausch und vom Dialog.

Kultur bedeutet auch Friedensarbeit. Die unterzeichnenden Verbände teilen die Überzeugung, dass diese mit der AfD keinesfalls möglich wäre.

Regula Venske                                           Eva Leipprand                  Jürgen Jankofsky
Präsidentin PEN-Zentrum Deutschland    Bundesvorsitzende VS     Bundesverband FBK

Carlos Collado Seidel                                         Astrid Vehstedt
Generalsekretär PEN-Zentrum Deutschland     Vorsitzende VS Berlin

Pressekontakt:

Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151 / 23120
Mobil: 0157 / 31382637
E-Mail: presse [at] pen-deutschland [dot] de

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine von derzeit weltweit 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

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