Offener Brief zur Einweihung des Karl-Marx-Denkmals an den Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe

Pressemitteilung, Darmstadt, 4. Mai 2018

Sehr geehrter Oberbürgermeister Leibe,

als Vize-Präsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN bitte ich Sie eindringlich, den Termin für die Einweihung des – von der Volksrepublik China geschenkten – Karl-Marx-Denkmals so lange zu verschieben, bis unser Ehrenmitglied, die Dichterin Liu Xia, aus dem 2010 verhängten Hausarrest entlassen und ihr die Ausreise ermöglicht worden ist.

PEN-Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter Ralf Nestmeyer
Foto: © Stefanie Silber

Ich bin mir sicher, dass dies auch im Sinne von Karl Marx gewesen wäre. „Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein“, ist ein bekanntes Zitat von ihm. Als Redakteur der Rheinischen Zeitung trat er wiederholt entschieden für die Freiheit des Wortes ein. Pressefreiheit sah Marx als Ausdruck einer liberalen demokratischen Gesellschaftsform. Paradoxerweise wird gerade diese Freiheit in China seit Jahren extrem eingeschränkt.

Es wäre ein deutliches Signal, wenn Sie sich mit unserem gesundheitlich schwer angeschlagenen Ehrenmitglied Liu Xia solidarisieren würden, um damit ein Zeichen für Meinungsfreiheit zu setzen, das weit über die Stadt Trier hinausstrahlen könnte.

Mit freundlichen Grüßen

Ralf Nestmeyer
PEN-Vizepräsident, Writers-in-Prison-Beauftragter

Pressekontakt:

Felix Hille
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