Dringende Bitte an Bundeskanzlerin Merkel: Setzen Sie sich für die Freilassung des ukrainischen Filmemachers Oleg Sentsov ein

Darmstadt, 17. August 2018

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

im Namen des deutschen PEN-Zentrums möchte ich Ihnen zuerst für Ihr Engagement im Fall von Liu Xia und ihre daraus resultierende Freilassung herzlich danken. Uns haben viele begeisterte und auch dankbare Rückmeldungen und Glückwünsche dazu aus aller Welt erreicht.

Im Fall von Oleg Sentsov hatte ich mich bereits am 5. Juni anlässlich des G7-Gipfels an Sie gewandt. Leider befindet sich Oleg Sentsov noch immer in Haft. Anlässlich Ihres bevorstehenden Treffens mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin möchten wir Sie bitten, sich weiter für den prominenten ukrainischen Schriftsteller und Filmemacher Oleg Sentsov zu verwenden. Sein Gesundheitszustand ist inzwischen besorgniserregend, da er sich seit dem 14. Mai 2018 in einem „unbefristeten Hungerstreik“ befindet.

Ralf Nestmeyer
Foto: Stefanie Silber

Oleg Sentsov wurde im Mai 2014 von den russischen Sicherheitsdiensten auf der Krim festgenommen. Seinen Aussagen zufolge wurde er drei Stunden lang körperlich misshandelt, geschlagen und sexuell missbraucht. Er wurde nach Russland gebracht, wo er über ein Jahr in Untersuchungshaft verbringen musste. Im August 2015 wurde er nach einem äußerst unfairen Verfahren vor einem russischen Militärgericht zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihm wurde ein Antrag auf Auslieferung in die Ukraine mit der Begründung verweigert, dass er nach der Besetzung und Annexion der Krim durch Russland zu einem russischen Staatsbürger geworden sei. PEN International befürchtet, dass Oleg Sentsov wegen seines Widerstands gegen die Besetzung und die illegale „Annexion“ der Krim durch Russland inhaftiert wurde und fordert die russischen Behörden auf, ihn sofort freizulassen.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin: Ihre Unterstützung für Oleg Sentsov könnte eine entscheidende Rolle für seine Freilassung spielen. Angesichts des anhaltenden Hungerstreiks und seines drohenden Todes möchten wir Sie eindringlich und respektvoll bitten, bei Vladimir Putin zu intervenieren.

Hochachtungsvoll

Ralf Nestmeyer
PEN-Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter

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