Tag des inhaftierten Schriftstellers 2018

Jährlich wird am 15. November der „Tag des inhaftierten Schriftstellers“ („Writers in Prison Day“ oder „Day of the Imprisoned Writer“) begangen, um auf das Schicksal von zu Unrecht inhaftierten und verfolgten Schriftstellern, Journalisten, Verlegern und Bloggern auf der ganzen Welt hinzuweisen und um an diejenigen zu erinnern, die getötet wurden, weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen haben.

Jedes Jahr stellt der internationale PEN ausgewählte Fälle in den Fokus, die beispielhaft für die Repressionen stehen, denen Kollegen weltweit täglich ausgesetzt sind.

2018 sollen die Schicksale von Wael Abbas (Ägypten), Shahidul Alam (Bangladesch), Miroslava Breach Velducea (Mexiko), Dawit Isaak (Eritrea) und Oleg Sentsov (Russland) besonders ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden.

Wael Abbas
Quelle: Facebook

Der internationale PEN verurteilt die Inhaftierung des namhaften ägyptischen Schriftstellers und politischen Aktivisten Wael Abbas, der durch die Dokumentation von Vergehen ägyptischer Sicherheitsbehörden bekannt wurde. Im Mai 2018 durchsuchten bewaffnete Polizisten seine Wohnung, verbanden ihm die Augen und nahmen ihn fest. Die Behörden konfiszierten seine elektronischen Geräte und weitere persönliche Gegenstände wie Kameras, Festplatten, Mobiltelefone, Laptops und Bücher. Abbas wird vorgeworfen, „einer terroristischen Vereinigung beigetreten zu sein, um seine politischen Ziele zu verwirklichen“ sowie „falsche Nachrichten verbreitet zu haben, die der öffentlichen Sicherheit und dem öffentlichen Interesse schaden“. Seit seiner Festnahme wurde Abbas‘ Untersuchungshaft in regelmäßigen Abständen von der ägyptischen Justiz verlängert, zuletzt am 16. Oktober durch den Kairoer Strafgerichtshof um weitere 45 Tage.

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Shahidul Alam
Quelle: PEN International

Der preisgekrönte Schriftsteller, Fotograf und Aktivist Shahidul Alam wurde am 5. August von Polizisten in Zivil aus seiner Wohnung in Dhaka gezerrt und verschleppt. Kurz zuvor hatte er dem Sender Al Jazeera ein Interview gegeben, in dem er die Regierung von Bangladesch für deren Vorgehen gegen die protestierenden Studenten kritisierte. Nach dem Tod zweier Jugendlicher, die am 29. Juli von einem Bus überfahren worden waren, hatten sich tausende Menschen für mehr Sicherheit auf den Straßen des Landes eingesetzt. Auf die überwiegend friedlichen Proteste reagierte die Regierung mit unverhältnismäßiger Gewaltanwendung. Tränengas und Gummigeschosse kamen zum Einsatz und hunderte Protestanten wurden verletzt.

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Miroslava Breach Velducea
Foto: © EPA

Am 23. März 2017 wurde die bekannte Journalistin Miroslava Breach Velducea mehrere Male vor ihrer Wohnung in den Kopf geschossen. Breach Velducea wurde 54 Jahre alt, und war eine Journalistin, die sich in ihren Reportagen mit politischen und gesellschaftlichen Themen befasste. Sie berichtete häufig über Korruption. Noch kurz vor ihrer Ermordung stand sie an der Spitze einer Korruptionsermittlung. In ihrer jüngsten Arbeit enthüllte sie die Verbindungen zwischen lokalen Politikern und Drogenkartellen. Sie arbeitete als Korrespondentin für die landesweite Tageszeitung La Jornada und mehrere Nachrichtenkanäle. Nach ihrem Tod leitete die Sondereinheit der Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Straftaten gegen das Recht auf Meinungsfreiheit (Fiscalía Especial para la Libertad de Expresión – FEADLE) Ermittlungen ein.

Im Dezember 2017 verhaftete die Bundespolizei ein Mitglied der Los Salazares – eine kriminelle Organisation, die mit dem Sinaloa Kartell in Verbindung gebracht wird –, dem sie vorwarfen, der Hintermann dieses Verbrechens zu sein. Die Behörden fordern eine 70-jährige Haftstrafe. Ein mutmaßlicher Täter wurde Berichten zufolge im Bundestaat Sonora tot aufgefunden. Weitere Verdächtige bleiben auf freiem Fuß.

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Dawit Isaak
Foto: © Kalle Ahlsén

Der eritreisch-schwedische Autor Dawit Isaak ist ein vielfach ausgezeichneter Journalist und Schriftsteller und wird seit 17 Jahren ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten. In Eritrea herrscht Polizeiwillkür und Isaaks Fall ist beispielhaft für die schwierige Lage, in der sich unabhängige Journalisten dort befinden. Viele von ihnen werden systematisch verhaftet, bedroht, schikaniert und gekidnappt.

Der PEN ruft die eritreischen Behörden dazu auf, das Schicksal und die Aufenthaltsorte von Dawit Isaak und allen anderen verschwundenen Journalisten und Schriftstellern aufzuklären. All denen, die noch am Leben sind, muss notwendige medizinische Versorgung gewährt werden. Sämtliche noch lebenden inhaftierten Journalisten und Autoren, die lediglich wegen der friedlichen Ausübung ihres Rechts auf Meinungsfreiheit inhaftiert sind, müssen unmittelbar und bedingungslos freigelassen werden.

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Oleg Sentsov
Foto: N/A (public domain)

Der ukrainische Schriftsteller und Filmemacher Oleg Sentsov wurde wegen angeblichem Terrorismus‘ in einem unfairen Prozess von einem russischen Militärgericht zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Sentsov sagte dabei aus, dass ihm Folter angedroht worden sei. Derzeit befindet er sich in einer sibirischen Strafkolonie für Schwerkriminelle in Labytnangi, tausende Kilometer entfernt von seiner Heimat auf der Krim. Zuletzt verbrachte er 145 Tage im Hungerstreik und forderte die Freilassung aller in Russland inhaftierten ukrainischen Häftlinge aus politisch motivierten Gründen. Er beendete seinen Streik am 6. Oktober 2018, da er befürchtete, zwangsernährt zu werden. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Sentsov den mit 50.000 Euro dotierten Sacharow-Menschenrechtspreis erhält. Die Preisverleihung ist am 12. Dezember in Straßburg geplant, doch dass Russland den Autor dazu ausreisen lässt, ist unwahrscheinlich.

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