Eşref Yener – was ich sah als die Hirsche erschossen waren | Geyikler Vurulduktan Sonra Gördüklerimdir

Von Eşref Yener

allenfalls fünf Hirsche waren in der Stadt fünf kupferne Verführungen
falls man so sagt und in den Dingen hing mein trauriges Gesicht
in der Stadt die ich ertrug um des Auskommens willen
mein Gesicht das ich nicht ansprach um seiner Feigheit willen.
jeden Abend dort ohne Messe die Sense
jeden Morgen rasiere ich dort Bärte, die sie Staat nennen

fünf Hirsche waren in der Stadt, einer Kirsche wie du
falls man so sagt auch immer wieder umgewälzt
in Zuhause in vierzig nervösen Tempi, umgewälzt mit Traute in mich selbst.
Liebe war stets eine wortkarge Wahrscheinlichkeit, so ging ich durch die Welt
dein schlimmster Feigling bin ich
mein verheerendster Irrtum
falsch die Schritte, die ich setzte, Kirsche, die ich nie sagte
das bedeuten die allerverlassensten Häuser im Osten
so erfuhr ich die allerlängste Schande
so soll man es wissen
zerstreut bin ich auf der Welt mit ihren vierzig Mühen, ohne jede Heilung

fünf Hirsche waren in der Stadt
einen rief ich sachte Gülbahar.
man soll sagen in der verfallenden Stadt mit ihren Hirschen
wie traurige Kirschennamen
diese Qual in den Mienen der Menschen,
der nackte Schlag der mich traf als ich ihr Foto ansah,
man soll sagen Hiob bin ich Ach bin ich und verdammt langsam geht’s zu in diesem Hof.
einmal um ein Gesicht anzusprechen namens Unabhängigkeit
suchte ich Heilung unbedacht
fand blutrünstig
mich der kein einziges Mal sich umwandte und rief
in dieser Geschichte, die von mir erzählt, um traurig zu bleiben
bin ich jedermanns totester Hirsch, besiegtes Henna meiner selbst

je mehr man fünf kupferne Hirsche versucht als fünf Mal Jammer
blieb mir was von selbst geschah wie Haare wachsen
in der Welt in die ich dieses Gesicht von mir nie rief
Gehorsam und Gram
der Hirsch und sein vor fünfhundert Jahren verendetes Geweih
Entzündung eines sorgsam belassenen Antlitzes bin ich
nunmehr hier, Kräuter wie Gülbahar* geben, vierzig Mal Osten nehmen
hier, als die Hirsche tot waren
sah ich ihr Foto vierzig Mal an mit Ach und Weh

ging ich nicht durch die Welt rufend nach mir selbst
rufend rufend doch einfach nicht hörend
bin ich nicht eurer Miene versonnenste, stark mit Kräutern gespickte Geschichte
so will ich ein einziges Mal reden, ohne dass Hiob es hört:

jeder gewaltige Hirsch für den ihr eure Sprache bemüht
auf dessen Gebet ihr sprießend und knospend vertraut
jede Gülbahar, die ich als Beschreibung meiner Miene verstand
ist schlussendlich ein fabelhafter Fehler
es ist der Fehler, auf der Welt zu sein und konform zu gehen mit ihr

Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe

*Gülbahar, Mädchenname und Name des Heilkrauts Affodill (AdÜ)

Über den Autor

Eşref Yener

1992 im westtürkischen Aydın geboren, studierte Internationale Beziehungen an der Universtität Kocaeli. 2013-14 Vorsitzender der Jugendgruppe des Vereins für zeitgenössisches Leben ÇYDD Izmit. Seine Texte und Gedichte erschienen in Literaturzeitschriften und Fanzinen wie Varlık, Natama, Sözcükler, Hürriyet Gösteri, Yasakmeyve, Hayâl und Marşandiz. 2016-18 war er als Redakteur im Verlag Hayâl und bei der zugehörigen Zeitschrift tätig.

Bücher:

Baykuşta Yangın Tekrarı (Lyrik, 2014)
Fazla Uzaklaşmış Olamam (Lyrik, 2018)

Auszeichnungen:

2013 Cemal Süreya Förderpreis für Lyrik
2015 Yaşar-Nabi-Nayır-Jugendpreis

Über İlkyaz

İlkyaz wurde mit Unterstützung des PEN International sowie des norwegischen und türkischen PEN gegründet, um die Vorstellungskraft von Schriftstellern unter 35 Jahren zu fördern, deren Werke zu übersetzen und diese einer internationalen Leserschaft vorzustellen. Initiator ist Ege Dündar, der gemeinsam mit Irmak Ertaş und den Kollegen im Beirat des internationalen PEN, Halil Gediz und Özge Sargın, diese einzigartige Anlaufstelle für junge türkische Literatur geschaffen hat.

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