PEN-Jahrestagung 2019 in Chemnitz – Impressionen

PEN-Jahrestagung 2019 vom 9.-12.5. in Chemnitz
Foto: © Stadt Chemnitz

Der deutsche PEN setzte in Chemnitz ein Zeichen gegen Intoleranz und für kulturelle Vielfalt. PEN-Mitglieder waren in den von fremdenfeindlichen Anschlägen betroffenen Restaurants zu Gast. Stimmen aus aller Welt wurden auf einer poetisch-politischen Kundgebung auf dem Theaterplatz zu Gehör gebracht. Im Rahmen seiner Jahrestagung und Mitgliederversammlung vom 9. bis 12. Mai 2019 bot der PEN darüber hinaus ein vielseitiges politisches und literarisches Programm, so zum Erbe der Revolutionen in Lateinamerika, mit einer Veranstaltung mit Stefan-Heym-Preisträgern sowie einer Lyrik-Matinee, die den Titel „Heimat heimatlos“ trug.

Die Writers-in-Exile Stipendiaten des deutschen PEN in Chemnitz
V. l. n. r.: Yirgalem Fisseha Mebrahtu, Tomislav Kezharovski, Zobaen Sondhi, Şehbal Şenyurt Arınlı, Aleksei Bobrovnikov, Sajjad Jahan Fard und Fatuma Yimam
Foto: Stefanie Silber

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, der Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Uwe Gaul, und die PEN-Präsidentin Regula Venske eröffneten am 9.5. die PEN-Jahrestagung 2019 in der Villa Esche.

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig
Foto: Stefanie Silber

Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Uwe Gaul
Foto: Stefanie Silber

PEN-Präsidentin Regula Venske
Foto: Stefanie Silber

Podiumsdiskussion „Was ist aus der Revolution geworden? Nicaragua, Venezuela und Kuba im Fokus“ in der Villa Esche

Nicaragua, Venezuela und Kuba sind Beispiele für die „versteinerte Revolution“ und die politischen Probleme Mittelamerikas. In allen drei Ländern haben sich Diktaturen etabliert, durch deren restriktive Politik Migrationsbewegungen ausgelöst wurden, die wiederum dramatische Auswirkungen auf die Nachbarländer (Costa Rica, Kolumbien, Ecuador, Brasilien) haben und zur Destabilisierung der Region beitragen. Im Gespräch mit den Autoren Amir Valle (Kuba) und Erik Arellana Bautista (Kolumbien) sowie dem Nicaragua-Kenner Lutz Kliche erörterte die Lektorin und Lateinamerikaexpertin Michi Strausfeld die politische Situation in den jeweiligen Ländern, anschließend erläuterte sie die sich zuspitzenden Verhältnisse in Venezuela.

PEN-Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter Ralf Nestmeyer begrüßte die Gäste und sprach über die Writers-in-Prison-Arbeit
Foto: Stefanie Silber

V. l. n. r.: Lutz Kliche, Amir Valle, Michi Strausfeld, Erik Arellana Bautista und Jeanette Erazo Heufelder
Foto: Stefanie Silber

Der ehemalige Writers-in-Exile Stipendiat Erik Arellana Bautista sprach über die politische Situation in Kolumbien.
Foto: Stefanie Silber

Lutz Kliche (li.) und Amir Valle (re.)
Foto: Stefanie Silber

Jeanette Erazo Heufelder, Dokumentarfilmerin und Autorin, sprach über die aktuelle Situation an der Grenze zwischen Mexiko und Amerika.
Foto: Stefanie Silber

Lutz Kliche berichtete über die politische Lage in Nicaragua.
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Writers-in-Exile Stipendiatin Şehbal Şenyurt Arınlı neben dem leeren Stuhl, der an den zu Unrecht inhaftierten Politiker und ehemaligen Co-Vorsitzenden der Halkların Demokratik Partisi (HDP), Selahattin Demirtaş, erinnerte.
Foto: Stefanie Silber

Mitgliederversammlung im Staatlichen Museum für Archäologie

In diesem Jahr standen wieder Wahlen auf dem Programm. Regula Venske wurde als PEN-Präsidentin wiedergewählt. Neuer Generalsekretär ist Heinrich Peuckmann, der seinen Vorgänger Carlos Collado Seidel ablöste. Zum neuen PEN-Vizepräsidenten und Writers-in-Exile Beauftragten wählten die PEN-Mitglieder Leander Sukov. Hermann-Anders Korte wurde zum Schatzmeister gewählt. Vizepräsident Ralf Nestmeyer (zuständig für das Writers-in-Prison-Programm) wurde in seinem Amt bestätigt. Neu im Präsidium sind die Beisitzer Vera Botterbusch, Joachim Helfer, Barbara Krohn, Simone Trieder und Astrid Vehstedt.

Das neue Präsidium des deutschen PEN
Hintere Reihe (v. l. n. r.):  Simone Trieder (Beisitzerin), Astrid Vehstedt (Beisitzerin), Joachim Helfer (Beisitzer), Heinrich Peuckmann (Generalsekretär), Claudia C. Krauße (Geschäftsführerin), Barbara Krohn (Beisitzerin), Leander Sukov (Writers-in-Exile-Beauftragter und PEN-Vizepräsident) und Vera Botterbusch (Beisitzerin)
Vordere Reihe (v. l. n. r.): Ralf Nestmeyer (Writers-in-Prison-Beauftragter und PEN-Vizepräsident), Regula Venske (PEN-Präsidentin), Klaus Uebe (Justitiar), Hermann-Anders Korte (Schatzmeister) Foto: © Stefanie Silber

PEN-Generalsekretär Carlos Collado Seidel sowie die PEN-Beisitzerinnen Tanja Kinkel (li.) und Nina George (2. v. l.) wurden von PEN-Präsidentin Regula Venske aus ihren Ämtern verabschiedet.
Foto: Stefanie Silber

VIELFALT statt EINFALT
Eine poetisch-politische Manifestation und W:ortkundgebung mit Stimmen aus aller Welt auf dem Chemnitzer Theaterplatz

Die Vielfalt ihres Schreibens repräsentiert die starke und schöne Vielfalt in unserer Gesellschaft. Um ein Zeichen zu setzen gegen Engstirnigkeit und Ressentiment, gegen Verachtung und Hass trugen auf dem Theaterplatz in Chemnitz Autoren und Dichterinnen Texte vor

Es lasen die PEN-Mitglieder Robert Brack, Benedikt Dyrlich, Susanne Fritz, Nina George, Ralph Grüneberger, Josef Haslinger, Kerstin Hensel, Gabriela Jaskulla, Ursula Krechel, Barbara Krohn, Alexander Pfeiffer, Roswitha Quadflieg und Kathrin Schmidt, Andreas Rumler, Leander Sukov, Hans Thill, Herbert Wiesner und Jens Wonneberger.

„Wir wollen heute ein Zeichen setzen, für Vielfalt und für Toleranz, als Spiegel und gelebte Realität unserer Gesellschaft. Gegen nationale Verengung und gegen eine zunehmend aggressive Abgrenzung zu dem, was als fremd empfunden wird. Und lassen Sie mich als Historiker betonen: Nationalismen, Intoleranz und Hass haben der Menschheit im Verlauf der Geschichte stets nur unermessliches Leid gebracht.“ Carlos Collado Seidel, scheidender PEN-Generalsekretär und Organisator der Kundgebung, während seiner Eröffnungsrede auf dem Chemnitzer Theaterplatz.
Foto: Stefanie Silber

VIELFALT statt EINFALT – W:ortkundgebung mit Stimmen aus aller Welt auf dem Chemnitzer Theaterplatz
Foto: Stefanie Silber

Nina George
Foto: Stefanie Silber

Josef Haslinger
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Empfang durch die Stadt Chemnitz im Rathaus

Foto: Stefanie Silber

Empfang im Rathaus mit der Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (re.) und PEN-Präsidentin Regula Venske (li.)
Foto: Stefanie Silber

Literarische Abendveranstaltung „Woher kommen die Stürme, die die Welt verändern?“ (Stefan Heym) auf der Großen Bühne des Schauspielhauses

Am Samstagabend lasen und sprachen die Stefan-Heym-Preisträger Bora Ćosić (2011) und Christoph Hein (2013) auf der Großen Bühne des Chemnitzer Schauspielhauses. Der Abend wurde durch den Jazz-Gitarristen Helmut Joe Sachse musikalisch umrahmt.

Helmut Joe Sachse
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Cornelia Zetzsche
Foto: Stefanie Silber

Cornelia Zetzsche und Christoph Hein
Foto: Stefanie Silber

Christoph Hein
Foto: Stefanie Silber

Cornlia Zetzsche und Bora Ćosić
Foto: Stefanie Silber

V. l. n. r.: Kerstin Hensel, Tanja Kinkel, Cornelia Zetzsche und Christoph Hein
Foto: Stefanie Silber

PEN liest in Chemnitz…

Die PEN-Mitglieder Nora Bossong (Restaurant Safran), Tanja Kinkel (Restaurant Schalom) sowie Eva Menasse (Restaurant Schmetterling) lasen in Restaurants, die Ziel fremdenfeindlicher Anschläge waren.

Nora Bossong nach ihrer Lesung im Restaurant Safran
Foto: Stefanie Silber

Tanja Kinkel nach ihrer Lesung im Restaurant Schalom
Foto: Stefanie Silber

Eva Menasse während ihrer Lesung im Restaurant Schmetterling
Foto: Stefanie Silber

Lyrik-Matinee „Heimat heimatlos“ auf der Kleinen Bühne des Schauspielhauses

Mit der Matinee „Heimat heimatlos“ ging am 12.5. die diesjährige Jahrestagung zu Ende.  Die Lyrikerinnen Róža Domašcyna und Kerstin Preiwuß sowie die Lyriker Richard Pietraß und SAID tauschten sich in Lesung und Gespräch über ihre Erfahrung von Fremdheit und Heimat aus. Wie verändert die Fremde das Bild der Heimat? Wie kann man sich poetisch diesen beiden Begriffe annähern? Und nicht zuletzt: Welche Rolle spielt Sprache als Ort des Beheimatetseins? Moderiert wurde die Veranstaltung von Ronya Othmann.

V. l. n. r.: Róža Domašcyna. SAID, Ronya Othmann, Kerstin Preiwuß und Richard Pietraß
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Róža Domašcyna und SAID
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Kerstin Preiwuß
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Richard Pietraß
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

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