Lynch-Kampagne gegen Aslı Erdoğan: Deutscher PEN in großer Sorge um seine Writers in Exile-Stipendiatin

Pressemitteilung, Darmstadt, 30. Oktober 2019. Mit großer Sorge sehen wir auf die Lynch-Kampagne gegen die Exilschriftstellerin Aslı Erdoğan, die seit letztem Samstag von Teilen der türkischen Medien entfacht worden ist. Aslı Erdoğan ist derzeit Gast im Writers in Exile-Programm des deutschen PEN.

Die türkische Journalistin und Schriftstellerin Aslı Erdoğan. Foto: Bernd Hartung

Aslı Erdoğan
Foto: Bernd Hartung

Aslı Erdoğan hat am 15. Oktober der italienischen Tageszeitung La Repubblica ein Interview gegeben. Acht Tage später hat die belgische Tageszeitung Le Soir das Interview ohne Rücksprache mit Aslı Erdoğan ins Französische übersetzt, dabei allerdings im Inhalt grob entstellt und zum Teil um Ansichten ergänzt, die nicht aus dem Original herzuleiten sind. In Zeiten, in denen Aggressionen so leicht hochkochen wie jetzt, ist dies ein grob fahrlässiges Verhalten. Le Soir hat sich inzwischen vollumfänglich bei Aslı Erdoğan entschuldigt und die Fehler korrigiert (www.bit.ly/2osUpbK).

„Es bleiben“, so Leander Sukov, Writers in Exile-Beauftragter und Vizepräsident des deutschen PEN, „viele Fragen offen. Weshalb hat die russische Medienagentur Sputnik die falsche Übersetzung von Le Soir in anheizenden Ausschnitten übernommen und nicht aus der originalen Quelle übersetzt? Und warum sind die Journalisten in der Türkei nicht ordentlich ihrer Arbeit nachgegangen und haben recherchiert, statt den Lynchmob noch zusätzlich anzustacheln?“

Das deutsche PEN-Zentrum erwartet von den türkischen Medien dazu beizutragen, dass der Shitstorm, der durch die fehlerhafte Arbeit von Le Soir und von ihnen selbst verursacht wurde, eingedämmt wird.

Zugleich legen unzählige von beleidigenden, boshaften, zum Mord aufrufenden Postings in den sozialen Medien den Verdacht nahe, dass diese Kampagne gezielt gestreut wurde. Reaktionen des Außenministers wären wünschenswert.

Das deutsche PEN-Zentrum steht hinter Aslı Erdoğan, deren Statement diesbezüglich in englischer Sprache ebenfalls der Anlage entnommen werden kann.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Heinrich Peuckmann
Generalsekretär

 

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Felix Hille
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Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

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