Literaturnobelpreisverleihung an Peter Handke und Olga Tokarczuk: Deutscher PEN erinnert an Heinrich Böll und ruft zu Spenden für PEN Emergency Fund auf

Literaturnobelpreisverleihung an Peter Handke und Olga Tokarczuk: Deutscher PEN erinnert an Heinrich Böll und ruft zu Spenden für PEN Emergency Fund auf

Pressemitteilung, Darmstadt, 10. Dezember 2019. Anlässlich der Verleihung der Literaturnobelpreise der Jahre 2018 und 2019 gab Olga Tokarczuk bekannt, dass sie einen Teil ihres Preisgeldes für eine Stiftung zur Unterstützung von Schriftstellern und Übersetzern verwenden will. Das deutsche PEN-Zentrum möchte in diesem Zusammenhang an Heinrich Böll erinnern: Der Literaturnobelpreisträger – von 1970-1972 war er Präsident des (west)deutschen, von 1971-1974 auch des internationalen PEN – stiftete 1972 zehn Prozent seines Preisgeldes, um es dem damals neu gegründeten PEN Emergency Fund zu ermöglichen, seine Arbeit aufzunehmen und Autorinnen und Autoren, die von Tod und Inhaftierung bedroht sind, zu helfen.

Dichtend die Welt zu erfahren, bedeutet, sich der Welt poetisch entgegenzustellen, die Dimensionen des menschlichen Lebens in seinen Höhen und Tiefen zu erkunden und zu beschreiben. Es ist das Recht und geradezu die Pflicht eines Schriftstellers, sich zu empören, Position zu beziehen und den Unterdrückten eine Sprache zu geben.

Wem die Freiheit des Wortes am Herzen liegt, der muss sich der Sprache der Despoten verweigern – ob gegenüber den Verbrechen gegen die Menschlichkeit im nationalsozialistischen Deutschland, den schweren Verletzungen des Humanitären Völkerrechts in den Jugoslawien-Kriegen oder den Menschenrechtsverletzungen heute in Eritrea und in der Türkei. Das Writers-in-Prison-Komitee des internationalen PEN setzt sich für bedrohte Journalisten, Schriftsteller und Autorinnen ein, die in ihren Ländern Missstände beschreiben und aufdecken, da sie sich als Literaten einzig der Wahrheit und der Wahrhaftigkeit ihres Werks verpflichtet fühlen. Schreibend die Welt nicht nur abzubilden, sondern auch zu verändern, sollte von Ehre und Ruhm begleitet sein, wird jedoch allzu oft mit Tod oder Gefängnis bestraft.

Weltweit werden jedes Jahr viele bedrohte Schriftstellerinnen und Schriftsteller durch den PEN Emergency Fund unterstützt. Auch Ihre Spende kann helfen! Nähere Informationen finden Sie unter www.penemergencyfund.com/en. Sie können auch an das deutsche PEN-Zentrum mit dem Verwendungszweck „Writers-in-Prison“ spenden.

Regula Venske
Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland
Mitglied des Boards von PEN International

Ralf Nestmeyer
Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des PEN-Zentrums Deutschland

Pressekontakt:

Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

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