Statement des PEN-Präsidiums zu Jörg Bernig

Statement des PEN-Präsidiums zu Jörg Bernig

Pressemitteilung, Darmstadt, 25. Mai 2020. Am vergangenen Mittwoch, den 20. Mai d. J., wählte der Radebeuler Stadtrat mit den Stimmen von AfD und CDU den Schriftsteller Jörg Bernig zum neuen Leiter des Kulturamtes. Da uns diverse Rückfragen zu diesem Vorgang und zu Jörg Bernig, der seit 2005 Mitglied des deutschen PEN ist, erreichen, sehen wir uns zu folgender Stellungnahme veranlasst:

Der deutsche PEN als Mitglied im internationalen PEN wendet sich mit aller Schärfe gegen nationalistische Bewegungen, insbesondere gegen Positionen, wie sie AfD, Pegida und ähnliche Gruppierungen vertreten. Derartige politische Formationen stehen den Grundüberzeugungen des PEN – Freiheit, Vielfalt, Solidarität – diametral entgegen. Laut unserer Charta, die jedes Mitglied bei Aufnahme in den PEN unterzeichnet, stehen wir ein für das Ideal einer einigen Welt und einer in Frieden lebenden Menschheit. Wir verpflichten uns, jedwede Form von Hass – wie etwa Rassen-, Klassen- oder Völkerhass, Hass aufgrund des Geschlechtes oder der sexuellen Orientierung – mit äußerster Kraft zu bekämpfen www.bit.ly/3ejPv5l; www.bit.ly/3gmJGFM.

Erinnern möchten wir in diesem Zusammenhang an den vom deutschen PEN anlässlich der 90-Jahr-Feier im November 2014 als europäische Autoreninitiative auf den Weg gebrachten Aufruf „Schutz in Europa“, dem sich über 1100 internationale Schriftstellerinnen und Schriftsteller angeschlossen haben www.bit.ly/2TysR0Q. Darin appellieren wir an die Staaten der Europäischen Union, ein gemeinsames menschenwürdiges Asylrecht zu schaffen und Menschen, die in Europa Schutz suchen, nicht länger zu behandeln, als wären sie Feinde, die es abzuwehren gilt. Die Rettung von Menschenleben und die Wahrung der Menschenrechte müssen oberste Priorität haben.

Diese Resolution, zu deren Erstunterzeichnern im November 2014 die Ehrenpräsidenten Günter Grass und Christoph Hein zählten, ist immer noch von trauriger Aktualität und Gültigkeit. Äußerungen zu Migration im Allgemeinen und Migranten im Besonderen, wie sie aus dem Umkreis der neuen Rechten kommen, sind hiermit nicht kompatibel. Wichtiger Teil der Arbeit der PEN-Zentren, auch des deutschen, ist die konkrete Unterstützung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern im Exil. Mit der „Make Space“ Kampagne hat der Internationale PEN diese Arbeit seit 2018 noch einmal in den Fokus der internationalen Öffentlichkeit gerückt www.bit.ly/3d30Ia3.

Vor diesem Hintergrund bitten wir Herrn Bernig zu prüfen, inwieweit er seine Verpflichtung gegenüber der PEN-Charta wahrnehmen kann, und ggfs. die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Regula Venske
Präsidentin

Pressekontakt:

Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

 

 

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.