Zensur in Polen: Deutscher PEN solidarisiert sich mit polnischen Kollegen

Pressemitteilung, Darmstadt, 2. März 2021. Das PEN-Zentrum Deutschland bekräftigt seine Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen des polnischen PEN, die in einer Erklärung auf die zunehmenden Übergriffe auf unabhängige Medien in Polen aufmerksam machen.

Die Rede- und Gedankenfreiheit sowie fundamentale Menschen- und Bürgerrechte stehen in Polen aufgrund politischer und ideologischer Zensur unter massivem Druck. Schritt für Schritt schränkt die polnische Regierung die Meinungsfreiheit ein, indem sie bewusst ein Klima aufbaut, in welchem Journalistinnen, Beamte, Aktivistinnen und Lehrer zur Selbstzensur gedrängt werden.

Ein drastisches Beispiel für die Einschränkung der Meinungsvielfalt durch die polnischen Behörden lieferte unlängst die politisch motivierte Absage einer Ausstellung des bekannten Fotografen Chris Niedenthal in Rzeszów. Der Künstler wollte u.a. aktuelle Bilder demonstrierender Menschen in Polen zeigen. Angesichts einer sukzessiven Einschränkung der Meinungsfreiheit droht der polnischen Gesellschaft ein Rückfall in Zeiten, als Menschen und Namen aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht und der Alltag von einer ideologisch aufgeladenen Atmosphäre bestimmt wurde.

Regula Venske Foto: © Michael Zapf

Regula Venske
(Foto: © Michael Zapf)

„Wir teilen die Sorgen ebenso wie die Hoffnungen und Forderungen unserer polnischen Kolleginnen und Kollegen“, so PEN-Präsidentin Regula Venske. „Straftatbestände, die sich auf nebulöse Konzepte wie die Kränkung religiöser Gefühle oder einer als statisch vorausgesetzten Nation bzw. nationalen Identität beziehen, sollten gestrichen werden und nicht mehr zur Anwendung kommen. Es sind Konzepte aus dem vorigen, wenn nicht vorvorigen Jahrhundert. Dementsprechend war es beim Prozess gegen die beiden Holocaust-Forscher Barbara Engelking und Jan Grabowski kürzlich auch nicht um historische Wahrheit zu tun, sondern um nationalistische Mythomanie. Es ist mutig, dass unsere polnischen PEN-Freunde hierzu deutliche Worte finden.“

Die Erklärung des polnischen PEN lässt sich in englischer Übersetzung hier nachlesen.

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

 

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

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