Karl-Wilhelm-Fricke-Preis an Memorial

Irina Scherbakowa während ihrer Dankesrede

Wir gratulieren der russischen Menschenrechtsorganisation MEMORIAL International zum Karl-Wilhelm-Fricke-Preis, der ihr am 16.6.22 in der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin verliehen wurde. Den Preis nahmen Irina Scherbakowa, Mitgründerin von MEMORIAL International, und die MEMORIAL-Geschäftsführerin Elena Zhemkowa entgegen.

„Wer Geschehenes aufarbeitet, will es durchdenken, nachvollziehen und als Erkenntnis nutzbar machen“, so Kulturstaatsministerin Claudia Roth in ihrem Grußwort zu Beginn der Preisverleihung. Dies sei nicht nur ein sinnvoller Umgang mit Geschichte, sondern ein unverzichtbarer, betonte sie.

Seit mehr als 30 Jahren leistet die von Andrej Sacharow gegründete und international vielfach ausgezeichnete Organisation MEMORIAL eine beispielhafte Arbeit zur Aufarbeitung der stalinistischen Vergangenheit und zum Schutz der Menschenrechte in Russland. Ungeachtet der Proteste zahlreicher Menschenrechtsorganisationen, unter ihnen auch das PEN-Zentrum Deutschland, wurde die Organisation vom Obersten Gerichtshof in Russland im Dezember 2021 verboten, am 28. Februar 2022 bestätigte die Appellationskammer dieses Urteil. Seitdem befindet sich MEMORIAL International in Zwangsliquidation, will jedoch trotz aller Widerstände die Arbeit fortsetzen und sich im Ausland neu strukturieren.

Der mit 20.000 Euro dotierte Karl-Wilhelm-Fricke-Preis wird seit 2017 jährlich zeitnah zum Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni verliehen. Die Auszeichnung würdigt Projekte, Persönlichkeiten und Initiativen, die sich mit ihrer Arbeit der Aufarbeitung der kommunistischen Herrschaft widmen und sich für Freiheit, Demokratie und Zivilcourage einsetzen. Ermöglicht wurde der Preis durch eine Spende des Mediziners, Autoren, ehemaligen Fluchthelfers und Förderer des deutschen PEN Burkhart Veigel.