Sir Salman Rushdie wird Ehrenmitglied des deutschen PEN-Zentrums

Salman Rushdie im Gespräch mit Cornelia Zetzsche (BR) im Jahr 2015

Immer vertrat er die Meinungsfreiheit, auch die seiner Gegner. Neun Jahre lebte er in wechselnden Verstecken, zwanzig Jahre als ein Schriftsteller in New York, der nicht länger hinter der politischen Figur verschwinden wollte, der sich frei und ohne Bodyguards bewegte und erstaunlich gelassen mit der konstanten, jahrelangen Bedrohung umging. Nun wurde Salman Rushdie bei einer Lesung von dem 24-jährigen Hadi Matar aus New Jersey mit einem Messer völlig überraschend attackiert und schwer verletzt.

Der Valentinstag 1989, war für ihn der Tag, der sein Leben in ein „Vorher“ und „Nachher“ teilte; der Tag, an dem der greise Ayatollah Khomeini die Fatwa, den Bann über den Roman „Die Satanischen Verse“ und ihren Autor aussprach, um vom sieglosen Krieg gegen den Irak abzulenken. Was dann folgte, war für den indisch-britischen Schriftsteller fast eine Dekade lang ein „Leben im Luxus-Käfig“: Sicherheit

 lernen, 24-Stunden-Personenschutz, immer neue Adressen suchen, immer andere Wohnungen mieten, Begegnungen mit Freunden, Frauen, der Familie, dem Sohn, Undercover, ein Leben in Tarnung. Erst mit dem Umzug nach New York lebte Rushdie eine neue Freiheit.

Inwieweit der Anschlag durch die noch immer bestehende Fatwa ausgelöst wurde, ist nicht belegt, aber wahrscheinlich. Fakt ist, dass der Bann Hass schürte und bis heute gilt.

Salman Rushdies über zwei Dutzend Romane, seine Sachbücher und Essays hingegen stehen für Toleranz, Meinungsfreiheit und Wahrheitssuche, gegen religiöse Fanatiker, Islamisten, Trumpisten und Covid-Leugner. „Die Wahrheit liegt in der Fiktion“, sagte Rushdie in einem Interview und: Literatur erzähle vom Wesen des Menschen, davon, wie wir und unsere Gesellschaften beschaffen seien.

Das deutsche PEN-Zentrum verurteilt die Attacke als perfiden Gewaltakt auf Salman Rushdie, die Meinungsfreiheit und die westlichen Werte und ernennt – in großer Sorge –Sir Salman, den ehemaligen PEN-Präsidenten der USA, zum Ehrenmitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Für das deutsche PEN-Zentrum
Cornelia Zetzsche

Vizepräsidentin/ Writers in Prison-Beauftragte

 

Ein Interview von Cornelia Zetzsche mit Salman Rushdie aus dem Jahr 2015 über seinen Roman „Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte“, die Anschläge auf Charlie Hebdo und die Arabisierung der islamischen Welt finden Sie hier.

 

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